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Unicef soll Spendengeld missbraucht haben

29. Nov 2007 16:00
Deutschland-Zentrale der Unicef in Köln
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Ausgerechnet zur Adventszeit gerät Unicef Deutschland ins Zwielicht: Angeblich floss Geld in dubiose Beraterverträge. Die Vorsitzende, Heide Simonis, fordert nun Konsequenzen.

In diesen Tagen flattern bei vielen Briefe ins Haus mit versendbaren Weihnachtskarten, Geschenkanhängern und der Bitte, etwas Geld zu geben – Adventszeit ist eben Spendenzeit. Deshalb kommen die Vorwürfe, denen sich Unicef jetzt in Deutschland ausgesetzt sieht, für das UN-Kinderhilfswerk zur Unzeit: Es soll überhöhte Honorare für Spendenwerber gezahlt und somit Geld verschwendet haben.

Auslöser der Affäre: ein Zeitungsbericht der «Frankfurter Rundschau», die sich auf das anonyme Schreiben eines offenkundigen Insiders beruft. Demnach soll die Unicef Deutschland über Jahre hinweg «Unsummen für dubiose Beraterverträge und eigenmächtig veranlasste Bauarbeiten» ausgegeben haben. Nach Angaben aus Vorstandskreisen soll es für Aufträge an eine Unternehmensberatung zuvor keine Ausschreibung gegeben haben: «Wir haben jedenfalls nie eine gesehen», zitiert die «FR» die Kreise. Allein bis 2007 sei für die diversen Aufträge ein Honorar in Höhe von 1,3 Millionen Euro geflossen.

Geschäftsführer soll Amt ruhen lassen

Stichwort: Unicef
Unicef gehört in Deutschland zu den großen Spendenorganisationen. Im vergangenen Jahr gingen 97,3 Millionen Euro an Spenden und Erlöse aus dem Verkauf von Grußkarten ein. Davon gingen nach Angaben der Organisation 82,1 Prozent in Hilfsprojekte. Der Rest sei für Verwaltung, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben worden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen wurde im Dezember 1946 auf der ersten UN-Vollversammlung gegründet. Das Deutsche Komitee wurde 1953 gegründet.
Im Zentrum der Vorwürfe steht der Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Der weist die Vorwürfe als «absoluten Quatsch» und «sehr unfair» zurück: «Wir gehen hier wirklich vorsichtig mit Geld und Ressourcen um», versicherte Garlichs. Auch 2007 werde der Anteil der Verwaltungskosten unter zehn Prozent liegen. In einer schriftlichen Stellungnahme belastete er zugleich den geschäftsführenden Vorstand von Unicef. Dieser habe sämtliche Vorwürfe «bereits im Juni und August im Detail überprüft».

Das bestreitet die ehrenamtliche Vorsitzende von Unicef Deutschland, die frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die Verträge seien «erklärungsbedürftig» und «moralisch strittig». Simonis hat inzwischen Konsequenzen gezogen: Sie habe Garlichs, gebeten, sein Amt vorerst ruhen zu lassen, teilte Simonis in Kiel mit.

Die umstrittenen Zahlungen in der Spendenwerbung des Hilfswerks würden umgehend einer Prüfung unterzogen, fügte Simonis hinzu Dazu werde ein unabhängiger, durchsetzungsfähiger Experte gesucht. Am Samstag soll zudem der Vorstand zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Staatsanwälte interessiert

Heide Simonis
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Der ebenfalls kritisierte Umbau der Kölner Unicef-Geschäftsstelle für über eine Million Euro sei im Grundsatz vom Vorstand genehmigt gewesen, sagte Simonis weiter. Schwamm und Feuchtigkeit hätten die Kosten jedoch steigen lassen. Es sei in Politik und Wirtschaft üblich, bei Überschreitung des Kostenrahmens das Aufsichtsgremium zu informieren. Dies sei in diesem Falle nicht geschehen, kritisierte die SPD-Politikerin.

Garlichs bestreitet gar nicht, dass es die Beraterverträge gibt – Unicef arbeite «gelegentlich mit externen Agenturen und freien Mitarbeitern» zusammen. Die Honorare lägen in der Regel unter Marktpreis. «Da wird versucht, eine Sensation darzustellen, die es nicht gibt», sagte der Geschäftsführer.

Simonis hingegen erklärte, dem Vorstand lägen Fakten und Zahlen vor, «die wir nicht nachvollziehen können». Dafür interessiert sich inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Köln. Sie prüft derzeit, ob es «einen Anfangsverdacht für strafbare Handlungen gibt», wie deren Sprecher der «Süddeutschen Zeitung» sagte. Auch das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das das Spendensiegel verleiht, will den Umgang mit den Geldern nun überprüfen. «Wir schauen uns die Sache jetzt an», kündigte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke an.

 
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