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Grundschüler lesen wieder besser

28. Nov 2007 16:41, ergänzt 21:00
Gut im Lesen
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Deutsche Viertklässler können im europäischen Vergleich am besten lesen. Doch es gibt noch genügend Felder, auf denen Deutschland schlecht abschneidet. Zudem wird der Zugang zu deutschen Schulen sozial immer ungerechter.

Deutschlands Grundschüler können mit ihrer Leseleistung im weltweiten Vergleich gut mithalten. Bei der zweiten internationalen Studie Iglu ((Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) belegten sie Rang elf unter 35 Nationen und zehn Regionen. Damit landeten die deutschen Viertklässler auf dem gleichen Platz wie beim ersten solchen Test 2001. Bei der Punktezahl zum Leseverständnis konnten sie etwas zulegen. Gleichzeitig wird der Zugang zur deutschen Schule aber sozial immer ungerechter. Dies geht aus der am Mittwoch vorgestellten neuen Iglu-Untersuchung zur Lesekompetenz der Viertklässler hervor.

Demnach fällt es Zehnjährigen aus der Oberschicht immer leichter, selbst bei weit unterdurchschnittlichen Leistungen eine Empfehlung ihrer Grundschule für den Besuch des Gymnasiums zu erhalten. Von einem Kind aus einem einfachen Arbeiterhaushalt dagegen werden dafür Spitzenleistungen verlangt. «Dieser Befund ist 2006 noch deutlicher als 2001 sichtbar», heißt es. Die umstrittene Schullaufbahnempfehlung der Grundschule hat seit dem deutschen Pisa-Schock 2001 in mehreren Bundesländern wieder erheblich an Bedeutung gewonnen.

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Bei Iglu wird nicht nur das Lesevermögen selbst getestet, sondern vor allem die Fähigkeit, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen. In Deutschland wurde der Test im Frühjahr 2006 an 397 Schulen gemacht. Insgesamt nahmen daran 7900 Viertklässler teil.

Dabei schafft es die deutsche Grundschule laut Studie recht gut, am Ende der vierten Klasse insgesamt ein hohes Leseniveau zu erreichen. Der Anteil der «Risikokinder» wird mit 13,2 Prozent als «vergleichsweise gering» ausgewiesen. Gegenüber 2001 (21 Prozent) sank er deutlich. Nur Hongkong und die Niederlande haben einen noch geringeren Anteil. Beim PISA-Test, der die Leistungen am Ende des zehnten Schuljahres misst - also bei 14- bis 15-Jährigen - gilt dagegen in Deutschland nahezu jeder vierte als «Risikoschüler» - mit erheblichen Problemen beim Berufseinstieg.

Wie am Mittwoch vorzeitig bekannt wurde, gehören in der aktuellen PISA-Studie die 15-jährigen Deutschen wenigstens beim Umweltwissen und in Naturwissenschaft zur internationalen Spitzengruppe. Sie landen auf Rang 13 von 57 Staaten, berichtet die spanische Lehrerzeitung «Magisnet». Bei der PISA-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. Laut OECD sind aber beide Tests wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht vergleichbar. Finnland konnte seinen ersten Rang erneut behaupten. Alle PISA-Ergebnisse werden in der kommenden Woche veröffentlicht.

Bildungsnahe Elternhäuser

Hintergrund:
Mit der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung 2006 wird das Leseverständnis von Schülern der vierten Klasse international vergleichend getestet. Die Studie der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) wird im Abstand von fünf Jahren durchgeführt. 2006 nahmen 45 Staaten teil. Vor fünf Jahren waren 36 Staaten dabei. Damals landete Deutschland im vorderen Drittel. Mitte 2008 sollen die Ergebnisse der nationalen Erweiterungsstudie veröffentlicht werden.
Mit einer Iglu-Gesamtleseleistung von 548 Punkten (2001: 539) liegt Deutschland im oberen Viertel der 45 Teilnehmer. In der EU schneiden die deutschen Viertklässler laut Angaben der Autoren am besten ab. Doch nur jeder zehnte (10,8 Prozent) gilt als Spitzenleser. «Das ist unbefriedigend», heißt es in der Studie. Internationale Spitzenreiter sind Russland (565 Punkte) und Hongkong (564), die Schlusslichter Marokko (323) und Südafrika (302).

In Deutschland haben Kinder aus «bildungsnahen Elternhäusern» mit 67 Punkten einen deutlichen Leistungsvorsprung vor Kindern aus «bildungsfernen» Familien. Laut Studie fällt dieser Vorsprung deutlich größer aus als im internationalen Mittel. Deutsche Kinder erzielen in der vierten Klasse bessere Leseleistungen als Kinder aus Migrantenfamilien. Allerdings hat sich hier seit 2001 der Abstand zwischen beiden Gruppen von 55 auf 48 Punkte verringert. In Frankreich beträgt er 35 Punkte, in Schweden 37, in England 48.

Mädchen lesen besser

In allen Teilnehmerstaaten lesen Mädchen besser als die Jungen. In Deutschland ist die Differenz mit sieben Punkten (Mädchen: 551 - Jungen: 544) jedoch vergleichsweise gering. In Schweden, Norwegen und England liegen die Mädchen fast 20 Punkte vor den Jungen. In Deutschland wie auch international erreichen die Kinder nach Besuch einer Vorschule eine höhere Lesekompetenz in der Grundschule.

In Deutschland gibt es weniger Viertklässler (14,2 Prozent), «die in ihrer Freizeit nie oder fast nie zum Spaß lesen» - als im weltweiten Schnitt (18,1 Prozent). Dagegen gilt «die leseförderliche Atmosphäre im Elternhaus» als geringfügig schlechter. (nz/dpa)

 
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