netzeitung.deKoalition will Bafög erhöhen

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Auch Studenten müssen die gestiegenen Preise bezahlen können. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Auch Studenten müssen die gestiegenen Preise bezahlen können.
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Noch ein Jahr müssen Studenten und Schüler warten, dann soll es mehr Bafög geben. Das beschloss die Koalition nach monatelangem Tauziehen in dieser Frage.

Die Ausbildungsförderung für Studenten und ältere Schüler (Bafög) wird vom 1. Oktober 2008 an um zehn Prozent erhöht. Die Elternfreibeträge, die über die Aufnahme in die Förderung entscheiden, steigen um acht Prozent. Darüber haben sich die Koalitionspartner verständigt, wie SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte.

Derzeit erhalten rund 500.000 Studenten und 320.000 Schüler - meist Teilnehmer von Kursen des zweiten Bildungsweges - die Ausbildungsförderung. Die Sätze für das Bafög waren seit 2002 nicht mehr erhöht worden. Zudem kommen durch die Erhöhung der Elternfreibeträge zukünftig mehr Studenten und Schüler in den Genuss der finanziellen Unterstützung.

Der Einigung ging ein langes Tauziehen in der Koalition voraus. Noch im Februar hatte das Kabinett auf Vorschlag von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) eine Erhöhung strikt abgelehnt und auf die notwendige Haushaltskonsolidierung verwiesen. In den vergangenen Monaten hatte sich Schavan jedoch den Forderungen der SPD-Fraktion Zug um Zug angenähert. Die Einigung erfolgte dem Vernehmen nach bei der Koalitionsrunde am vergangenen Sonntag. Nach Aussage von von SPD-Bildungssprecher Jörg Tauss soll Schavans Etat für die Bafög-Mehrausgaben aufgestockt werden. Das Gesetz könne am 16. November vom Parlament verabschiedet werden.

Ein bedürftiger Student, der nicht mehr bei den Eltern lebt, kann derzeit monatlich bis zu 585 Euro einschließlich Wohngeld bekommen. Im Schnitt werden 376 Euro Bafög ausbezahlt. Die Schüler-Förderung ist etwas niedriger. Wegen der gestiegenen Lebenshaltungskosten hatten Experten die Erhöhung mehrfach als überfällig bezeichnet. Der Bafög-Beirat der Bundesregierung wollte die Verbesserung bereits für dieses Jahr.

Neben der Anhebung der Fördersätze sind laut Tauss weitere Verbesserungen gegenüber dem früheren Regierungsentwurf in der Koalition fest verabredet. So soll der geplante Kinderzuschlag für studentische Eltern mit der Zahl der zu Betreuenden steigen. Zudem habe die SPD die zunächst vorgesehene Einschränkung der elternunabhängigen Förderung für Kollegiaten und Berufsoberschüler verhindern können.

EU-Urteil umgesetzt
Mit dem neuen Bafög werde man künftig bereits vom ersten Semester an im Ausland studieren. Hier kommt die Koalition einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes nach.
CDU/CSU-Fraktionsvize Katherina Reiche sowie weitere Bildungspolitiker der Union sagten, die Bafög-Anpassung sei «ein Zeichen der Chancengerechtigkeit». Deutschland müsse alle Talente gewinnen.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, die Studienanfängerquote liege in Deutschland mit rund 37 Prozent eines Jahrgangs deutlich unter dem Durchschnitt der anderen Industriestaaten. «Deshalb brauchen wir ein starkes Bafög und keine Studiengebühren wie in CDU-regierten Ländern.»

«Es ist gut, dass das Tauziehen um die längst überfällige Erhöhung endlich ein Ende hat», sagte DSW-Präsident Rolf Dobischat. Die jungen Menschen und ihre Eltern hätten jetzt Planungssicherheit. Gleichwohl würde bei einem Wirksamwerden der Erhöhung erst zum Herbst 2008 die Preis- und Einkommensentwicklung dieses Jahres schon wieder nicht berücksichtigt.

Der studentische Dachverband «fzs» forderte eine Regelung im Gesetz, nach der das Bafög künftig jährlich den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst wird. (nz/dpa)