netzeitung.deBischof macht Front gegen Aufklärungsmusical

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Ort der Sexualaufklärung: Familie (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ort der Sexualaufklärung: Familie
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Seit vier Jahren führt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein Musical zur Sexualerziehung auf - ohne, dass es jemanden gestört hat. Im Bistum Fulda wird das aber anders gesehen.

Der katholische Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, hat zum Boykott eines Musicals zur Sexualerziehung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aufgerufen. «Nach Auffassung der Kirche hat die Sexualaufklärung ihren originären Platz im Elternhaus und kann nicht Aufgabe einer Theatertruppe sein», sagte Algermissen.

Am Mittwoch wurde das Musical «Nase, Bauch und Po» in Künzell bei Fulda vor rund 550 Kindern aufgeführt. Der für Sexualaufklärung zuständige Mitarbeiter der Bundeszentrale, Eckhard Schroll, sagte, mehrere katholische Kindertagesstätten hätten den Besuch des Musicals nach den Äußerungen des Bischofs abgesagt. Rund 20 Prozent der ursprünglich angemeldeten Kinder seien der Veranstaltung ferngeblieben.

Körperliche Zusammenhänge
Algermissen warf in einer Erklärung dem Theaterstück eine «einseitige Ausrichtung der Sexualität auf körperliche Zusammenhänge» vor: «Eltern, die ihre Kinder unseren katholischen Kindertagesstätten anvertrauen, können sicher sein, dass diese Form der Sexualaufklärung als Kinderspiel nicht Gegenstand der pädagogischen Arbeit mit den Kleinsten ist.»

Die Bundeszentrale wies die Vorwürfe zurück. Es gehe in «Nase, Bauch und Po» nicht um rein körperlichen Sex, sagte Schroll. In der Mehrzahl der Fälle gingen die Vorwürfe an der Realität des Stückes vorbei. Die Kritik des Bischofs nannte Schroll «einmalig und erstmalig». Das Stück sei seit vier Jahren in Deutschland auf Tour. Bislang habe es gegen Aufführungen auch vor Kindern aus katholischen oder evangelischen Kindertagesstätten keine Proteste gegeben. Die Aufführung in Osthessen war auf Einladung der Gemeinde Künzell und des katholischen Vereins «Donum Vitae» zustande gekommen.

Die hessischen Grünen griffen den Fuldaer Bischof wegen dessen Kritik an. «Monsignore Algermissen ist offensichtlich noch nicht in der Gegenwart angekommen», sagte die Landesvorsitzende Kordula Schulz-Asche. Die Bundeszentrale habe mit «Nase, Bauch und Po» ein Märchen entwickelt, das auf die kindliche Neugier beim Tabuthema Sexualität eingehe. Begleitmedien unterstützten Erzieherinnen und Eltern: «Ein Boykottaufruf ist daher völlig unverständlich.» (AP)