netzeitung.deUnion und SPD kanzeln GDL-Führung ab

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Lokführer der Bahn (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lokführer der Bahn
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Trotz weit reichender Zugeständnisse der Bahn, zeigt sich die Lokführer- Gewerkschaft GDL im Tarifstreit unnachgiebig. Die Politik ist fassungslos und fordert Konsequenzen, wie Dietmar Neuerer berichtet.

Mit Empörung haben führender Vertreter der Großen Koalition auf das neuerliche Nein der Lokführergewerkschaft GDL zum Tarifangebot der Bahn reagiert. «Diese Egoisten, die nur an sich selbst denken, müssen von der Öffentlichkeit zur Räson gebracht werden», sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Wend, im Gespräch mit Netzeitung.de. Das im Artikel 9 des Grundgesetzes verbriefte Streikrecht schütze die GDL vor der Politik. Das nutzten die Arbeitnehmervertreter aus: «Sie missbrauchen dieses Grundrecht schamlos auf Kosten des Gemeinwohls.»

«Äußerst kritikwürdig» findet auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Laurenz Meyer (CDU), das Verhalten der Lokführergewerkschaft. «Es ist völlig inakzeptabel, wie sich die Vertretung einer Minderheit auf Kosten der Allgemeinheit austobt», sagte Meyer im Gespräch mit Netzeitung.de. «Ich habe für das Verhalten dieser Gruppe nicht mehr das geringste Verständnis.»
Neue Gespräche am Donnerstag
Die Lokführergewerkschaft GDL hatte zuvor das neue Angebot der Bahn als unzureichend abgelehnt. Es sei darin im Grunde nichts Neues zu erkennen, sagte der GDL-Vorsitzende Manfred Schell in Berlin. Der einzige Unterschied zu dem Tarifabschluss mit anderen Gewerkschaften sei die angebotene Zahlung von 1400 Euro für bereits geleistete Überstunden. Allerdings warte seine Organisation noch auf die Langfassung der Offerte. Bislang habe die Bahn nur eine Kurzfassung zur Verfügung gestellt, nachdem sie die Öffentlichkeit informiert habe.

Eine Gewerkschaftssprecherin teilte mit, die GDL werde am Mittwoch oder Donnerstag mit der Bahn über das neue Tarifangebot sprechen. Danach werde entschieden, ob die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen würden.

CDU vermutet «Profilneurose» bei GDL-Spitze
Bahn-Personalvorstand Margret Suckale hatte zuvor mitgeteilt, die Lokführer könnten wie gefordert einen eigenen Tarifvertrag erhalten. Dieser müsse aber in die gesamte Tarifstruktur des Unternehmens eingearbeitet werden. Grundlage sei nach wie vor der Abschluss, der bereits mit den beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielt worden sei.

CDU-Politiker Meyer riet den Lokführern angesichts der Weigerungshaltung ihrer Gewerkschaftsspitze, sich zu überlegen, ob sie sich von der GDL-Führung noch «verantwortungsvoll vertreten» fühlen. «Ich habe das Gefühl, die Verantwortlichen der GDL tragen eine Profilneurose auf dem Rücken der Lokführer aus», sagte Meyer.

Der SPD-Politiker Wend warf der GDL-Spitze zudem vor, sie hätte mit ihrem Verhalten auch «einen Konsens der Nachkriegsgesellschaft aufs Spiel gesetzt, wonach Streiks niemals dazu missbraucht werden, um die Allgemeinheit in Geiselhaft zu nehmen». Nach Wends Überzeugung dürfte die Grenze der Kompromissfähigkeit der Bahn «längst erreicht» sein. «Die GDL muss einlenken», forderte der SPD-Politiker. Ansonsten würden die anderen Gewerkschaften «genauso beschädigt wie die Kunden der Bahn».