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Neonazis planen Demo für Eva Herman

11. Okt 2007 10:07, ergänzt 18:05
Eva Herman verlässt die Kerner-Show
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Nicht jeder findet es verwerflich, wenn Eva Herman über die Autobahnen Adolf Hitlers spricht. Die rechtsextreme DVU zum Beispiel. Der Zentralrat der Juden hingegen mahnt zu mehr Sachlichkeit in der Debatte.

Nach ihrem umstrittenen Auftritt in der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner erhält die ehemalige Moderatorin Eva Herman Unterstützung aus der Neonazi-Szene. Wie «Bild» berichtet, äußeren Rechtsradikale in Briefen und im Internet Lob für die Ex-«Tagesschau»-Sprecherin. Kerner und andere Talkgäste wie Margarethe Schreinemakers würden auf «übelste Weise» bedroht und als «Judenknechte» und «Abschaum» beleidigt.

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Auch die die rechtsextreme DVU will sich für die Moderatorin einsetzen, wie die Partei auf ihrer Internetseite ankündigt: Unter dem Motto «Meinungsfreiheit für Eva Herman» soll demnach in Hamburg eine große Unterstützungs-Kundgebung stattfinden. Ursprünglich hat die DVU am Samstag direkt vor dem Hamburger Rathaus demonstrieren wollen. Nach einem gerichtlichen Verbot soll die Veranstaltung nun im Hamburger Congress-Centrum stattfinden. Allerdings nicht an diesem Wochenende, sondern zu einem, wie es heißt, «späteren Zeitpunkt», da nach Angaben der Versammlungsbehörde am 13. Oktober «alle neuralgischen Plätze in der Innenstadt von Gegenveranstaltungen zu der DVU-Kundgebung belegt» seien.

Zentralrat fordert sachliche Debatte

Eva Hermans Verleger Christian Strasser zeigte sich indessen «tief bestürzt» über den TV-Auftritt der Moderatorin. «Das Ganze ist die größte Katastrophe, die ich in meinen 40 Jahren als Verleger erlebt habe», sagte Strasser der Münchner «Abendzeitung». Strasser hatte in seinem «Pendo»-Verlag Hermans «Eva-Prinzip» und «Das Prinzip Arche Noah» herausgebracht. «Kerner hat versucht, ihr Brücken zu bauen. Aber wahrscheinlich wollte sie sich nicht in die Ecke treiben lassen – ich weiß es nicht», kommentierte der Verleger den Auftritt Hermans im ZDF.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte nach dem TV-Eklat um Herman die Rückkehr zu einer sachlichen Auseinandersetzung über Familienwerte. Es müsse darum gehen, «krude Vergleiche mit einer angeblich 'erfolgreichen Familienpolitik des NS-Regimes' aus der Diskussion herauszuhalten», sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, im Gespräch mit Netzeitung.de. «Mit ihren völlig deplatzierten Vergleichen mit der 'gleichgeschalteten Presse' und den 'Autobahnen' hat sich Frau Herman im Ergebnis doch selbst entlarvt.» Sie habe sich damit «noch mehr verstrickt». Insofern sei Kerners Konsequenz, die 48-Jährige am Dienstagabend aus seiner Sendung auszuschließen, «unausweichlich» gewesen.

«Diskussion völlig abgedriftet»

Kramer bedauerte, dass es Herman in der Sendung nicht gelungen sei, ihre Argumentation selbstkritisch in Frage zu stellen. «Sie blieb bei Ihren Formulierungen, bis zum Untergang», sagte der Zentralrats-Generalsekretär. Dabei habe von ihr niemand ein Eingeständnis verlangt, sondern vielmehr «eine Klarstellung und die Einsicht, dass die Diskussion völlig abgedriftet» sei. «Angesichts der Wichtigkeit der Wertedebatte, gerade auch im Bereich der Familienpolitik wäre eine Klarstellung für die gesamte Diskussion extrem wichtig gewesen», betonte Kramer. Er lobte in diesem Zusammenhang das ZDF: Dass der Sender Herman eine Plattform geboten habe, sei «positiv zu bewerten, denn wir brauchen nicht peinlich berührtes Schweigen, sondern mehr Diskussion - gerade wenn es um Grundwerte unserer Gesellschaft im Bereich Kinder und Jugend, Familie, Patriotismus und ähnliches geht».

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Kramer kritisierte, dass im Bereich der Familienpolitik zu einseitig über bestimmte staatliche Leistungen diskutiert werde. «Die Debatte um Familienwerte in unserer heutigen Gesellschaft ist wichtig und muss geführt werden», forderte der Zentralrats-Generalsekretär. Sie werde aber «viel zu wenig grundsätzlich geführt.» Alles drehe sich nur um Krippenplätze und Elterngeld. «Eine Grundsatzdiskussion fehlt», beklagte Kramer. Die NS-Zeit habe damit aber nur im Bereich des Missbrauchs dieser Werte etwas zu tun, fügte er mit Blick auf die umstrittenen Äußerungen Hermans hinzu. «Familiäre Grundwerte hat es viel früher gegeben und sie finden einen Ursprung in der christlichen und jüdischen Religion und Philosophie, also dem jüdisch-christlichen Fundament unserer Gesellschaft und Werteordnung.

Kritik an katholischer Kirche

Kramer bekräftigte zudem die Kritik des Zentralrats an der Parteinahme der Katholischen Kirche für Herman. Es wundere ihn zwar nicht, dass der Augsburger Bischof Walter Mixa die Ex-Moderatorin in Schutz nehme, weil beide »offensichtlich ein ähnliches Frauen- und Familienbild« hätten, sagte der Zentralrats-Generalsekretär. «Wenn Bischof Mixa Frau Herman allerdings vom Verdacht der 'rechten Ecke' freispricht, dann fehlt ihm dazu die nötige Objektivität.»

Kramer reagierte damit auf Äußerungen Mixas gegenüber «Focus Online» vom Dienstag. Mixa hatte dort gesagt: «Frau Herman in die rechte Ecke stellen zu wollen, scheint mir nach allem, was ich von ihr gelesen und gehört habe, geradezu absurd.»

Kramer erklärt sich die Unterstützung für Herman damit, dass Mixa «wohl auch aus falschverstandener Solidarität» handele, «wie viele in der katholischen Kirche, die in der familienpolitischen Debatte eine konservative Überzeugung haben und diese durch Frau Herman vertreten und in ihrer Person zu Unrecht angegriffen sehen».

Nach Ansicht des Zentralrats-Generalsekretär müsse man aber unterscheiden zwischen einem konservativen Familien- und Frauenbild, welches nach Meinung vieler Bürger eine Daseinsberechtigung habe und der missverständlichen Bezugnahme Hermans auf die Familienpolitik des NS-Regimes. «Völlig unstrittig» sei, dass man ein konservatives Familien- und Frauenbild haben könne, ohne dabei gleich in die «braune Ecke» gestellt zu werden. Doch, gibt Kramer zu bedenken: «Eva Herman hat aber – beabsichtigt oder nicht, keine klaren Grenzen gezogen und beides in der Diskussion auf mindestens fahrlässige Weise vermischt.»

 
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