08.10.2007
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Huber verwahrt sich gegen Kritik
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Christliche und jüdische Gelehrte kritisieren die «beispiellose Arroganz» eines Textes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Schrift schüre Vorurteile gegen den Islam.
Christliche und jüdische Gelehrte haben sich der scharfen Kritik von Muslimen an einer Schrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Islam angeschlossen. Die Handreichung der EKD «Klarheit und gute Nachbarschaft» sei anmaßend, arrogant und mache Zugeständnis an die Evangelikalen. Der Text schüre Vorurteile und bediene Islamfeindschaft, hieß es am Montag bei der Vorstellung des Buches von 14 Professoren. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber wehrte sich gegen «pauschale Vorwürfe», die im Wesentlichen an Intention und Aussagen des Textes vorbeigingen.
Die Ende 2006 erschienene EKD-Schrift hat bereits zu erheblichen Irritationen geführt. So sagten muslimische Verbände Anfang des Jahres ein Spitzentreffen mit der Evangelischen Kirche ab. Der Koordinierungsrat der Muslime warf der EKD im Mai vor, sich auf Kosten des Islams profilieren zu wollen. Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik kritisierte, die EKD habe sich mit dem in der Schrift vertretenen massiven Absolutheitsanspruch dialogunfähig gemacht. Die dortige Abwertung der Muslime sei ein «zivilisatorischer Rückfall», erklärte der jüdische Gelehrte vom Abrahamischen Forum, auf dessen Anregung hin das Buch «Evangelisch aus fundamentalem Grund» entstand.
Der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel aus Tübingen warf der EKD bei einem Pressegespräch in Frankfurt/M. Arroganz und Herablassung vor, weil es in der Handreichung heißt: «Ihr Herz werden Christen doch schwerlich an einen Gott hängen können, wie ihn der Koran beschreibt und wie ihn Muslime verehren.»
Der evangelische Theologe Reinhold Bernhardt aus Basel sieht in der EKD-Schrift einen lehrmeisterlichen Tonfall, wie er ihn bislang nur aus Stellungnahmen von Evangelikalen oder der von der katholischen Glaubenskongregation unter dem heutigen Papst Benedikt XVI. verfassten Erklärung «Dominus Iesus» kenne. Die evangelische Kirche empfehle sich als «Bollwerk gegen den Islam».
Die Autoren bemängeln, dass es sich bei dem EKD-Text um ein politisches Dokument mit theologischen Defiziten handele. Es fördere «fundamentalistische Haltungen bei Christen und Muslimen» und mache undifferenzierte Aussagen zur Mission. Es fehlten aber Aussagen zur Islamfeindlichkeit.
ScherbenhaufenHuber verwahrte sich dagegen, dass suggeriert werde, «die Handreichung sei mitverantwortlich für die Zunahme einer antiislamischen Stimmung». Die Mission werde keineswegs wie von den Autoren behauptet als unter Druck setzende Missionierung verkannt, sondern als respektvolle Begegnung verstanden. Doch versicherte Huber, der Rat der EKD werde sich der Kritik stellen.
Bernhardt äußerte die Vermutung, dass die EKD den Evangelikalen die Deutungshoheit beim Verhältnis mit dem Islam überlassen habe, um damit diese Gruppe zu Zugeständnissen in anderen Themen zu gewinnen. Die EKD habe mit der Schrift Erreichtes im Dialog mit den Muslimen in Frage gestellt und «einen Scherbenhaufen angerichtet», erklärte der Herausgeber des neuen Buches, der evangelische Theologe Jürgen Micksch, der auch Vorsitzender des Interkulturellen Rats ist. (Uwe Gepp, AP)