08. Okt 2007 22:04
Christliche und jüdische Gelehrte kritisieren die «beispiellose Arroganz» eines Textes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Schrift schüre Vorurteile gegen den Islam.
Die Ende 2006 erschienene EKD-Schrift hat bereits zu erheblichen Irritationen geführt. So sagten muslimische Verbände Anfang des Jahres ein Spitzentreffen mit der Evangelischen Kirche ab. Der Koordinierungsrat der Muslime warf der EKD im Mai vor, sich auf Kosten des Islams profilieren zu wollen. Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik kritisierte, die EKD habe sich mit dem in der Schrift vertretenen massiven Absolutheitsanspruch dialogunfähig gemacht. Die dortige Abwertung der Muslime sei ein «zivilisatorischer Rückfall», erklärte der jüdische Gelehrte vom Abrahamischen Forum, auf dessen Anregung hin das Buch «Evangelisch aus fundamentalem Grund» entstand.Der katholische Theologe Karl-Josef Kuschel aus Tübingen warf der EKD bei einem Pressegespräch in Frankfurt/M. Arroganz und Herablassung vor, weil es in der Handreichung heißt: «Ihr Herz werden Christen doch schwerlich an einen Gott hängen können, wie ihn der Koran beschreibt und wie ihn Muslime verehren.»
Der evangelische Theologe Reinhold Bernhardt aus Basel sieht in der EKD-Schrift einen lehrmeisterlichen Tonfall, wie er ihn bislang nur aus Stellungnahmen von Evangelikalen oder der von der katholischen Glaubenskongregation unter dem heutigen Papst Benedikt XVI. verfassten Erklärung «Dominus Iesus» kenne. Die evangelische Kirche empfehle sich als «Bollwerk gegen den Islam».
Die Autoren bemängeln, dass es sich bei dem EKD-Text um ein politisches Dokument mit theologischen Defiziten handele. Es fördere «fundamentalistische Haltungen bei Christen und Muslimen» und mache undifferenzierte Aussagen zur Mission. Es fehlten aber Aussagen zur Islamfeindlichkeit.