Hessen-SPD feiert Spitzenkandidatin Ypsilanti
Ypsilanti rief ihre Partei auf, die sozialdemokratischen Inhalte «neu zu schärfen». Die SPD müsse «die Partei der sozialen Moderne» sein, die nicht in Gewinner und Verlierer spalte, sondern Reichtum gerecht verteile. Im Einzelnen forderte Ypsilanti die Einführung eines Mindestlohns und eine Nachbesserung von «Hartz IV».
Deutsche Bahn, öffentlicher Nahverkehr und Stadtwerke seien «keine Spekulationsobjekte» und dürften nicht ohne Not in private Hand gegeben werden, sagte Ypsilanti weiter. Nach einem SPD-Wahlsieg werde Hessen in die Tarifgemeinschaft der Länder zurückkehren und die Arbeitszeitverlängerung für Beamte «Schritt für Schritt» korrigieren, kündigte sie an. Beim Thema Nachtflugverbot in Frankfurt versprach Ypsilanti, «nicht zu wackeln».
Der CDU-geführten Landesregierung warf Ypsilanti vor, durch ihre Energiepolitik Arbeitsplätze zu vernichten und in der Schulpolitik auf Auslese zu setzen. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sei wie Don Quijote, «die traurige Gestalt, die gegen Windräder kämpft». Heftig attackierte Ypsilanti Kultusministerin Karin Wolff (CDU), die sich dafür ausgesprochen hatte, die Schöpfungslehre im Biologieunterricht zu behandeln. Ein Bundesland «mit einer so großen geisteswissenschaftlichen Tradition» könne es sich «nicht leisten, dass eine Kultusministerin den Rückfall ins Mittelalter zum Bildungsprogramm erklärt».
Ypsilanti sagte, die SPD werde nach einem Wahlsieg die Verkürzung der Gymnasialzeit zurücknehmen und die Studiengebühren wieder abschaffen. Außerdem werde man für kleinere Klassen, mehr Lehrer sowie den Ausbau der Ganztagsschulen sorgen.
Auf Platz zwei der Kandidatenliste für die Landtagswahl setzen die Delegierten den früheren Fraktionschef Jürgen Walter. Er hatte sich ursprünglich ebenfalls um die Spitzenkandidatur beworben, musste sich im vergangenen Dezember jedoch in einer Kampfabstimmung gegen Ypsilanti knapp geschlagen geben.
Bis Ende Oktober will die SPD-Spitzenkandidatin die übrigen Mitglieder ihres Schattenkabinetts präsentieren. Bislang gehören dem Team der Energieexperte Hermann Scheer für die Themen Wirtschaft und Umwelt und der parteilose Pädagoge Rainer Domisch für das Thema Bildung an. (ddp)
