netzeitung.deBND hatte Tausende Spione in der DDR

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Immer ein offenes Ohr: Spion (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Immer ein offenes Ohr: Spion
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Obwohl der westdeutsche Geheimdienst jenseits des eisernen Vorhangs gut aufgestellt war, blieb ihm Wesentliches verborgen. Eine Studie soll diese Woche Details liefern.

Rund 10.000 DDR-Bürger sollen zwischen 1949 und 1989 für den Bundesnachrichtendienst (BND) und seine Vorgänger in Ostdeutschland spioniert haben. Bereits 1955 waren demnach 5000 Kontaktpersonen erfasst, fand der Thüringer Historikers Matthias Uhl im Rahmen einer Studie heraus, die er diese Woche veröffentlichen will. Die «Thüringer Allgemeine» zitierte vorab aus der Expertise Uhls, der am Deutschen Historischen Institut in Moskau forscht.

Bis zum Mauerbau 1961 war es für den westdeutschen Geheimdienst relativ einfach, Spione im Osten zu rekrutieren, betont auch Uhl. Doch auch nach dem Mauerbau habe der BND immer wieder Spione anwerben können. Gemeinsam mit einem Hamburger Kollegen, Armin Wagner, hat Uhl für die Studie freigegebene BND-Akten sowie Stasi-Unterlagen ausgewertet. Wie die Zeitung berichtet, befassten sich die Wissenschaftler vor allem mit der Militäraufklärung gegen die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen.

Die im Osten angeworbenen Spione arbeiteten nur zum Teil zufrieden stellend. Vom folgenreichsten Ereignis der deutsch-deutschen Geschichte wurden auch sie überrascht: dem Mauerbau. Möglicherweise auch deshalb, weil nach Erkenntnissen der Birthler-Behörde rund 90 Prozent von ihnen die Stasi führte, die BND-Informanten also Doppelagenten waren.

Verfahren und Strafen für Spione
Aber auch so flossen in der Gegenrichtung Informationen. Nach der Wende war zuweilen von Zehntausenden Westlern die Rede, die für die Staatssicherheit spioniert haben sollen. Als die Mauer fiel, waren zwischen 3000 und 3500 Bundesbürger für das SED-Regime tätig, wie die Birthler-Behörde offen legte.

Seit der deutschen Wiedervereinigung gab es im Westen dann 3000 Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Agenten, 2500 davon stellte die Justiz ein. 500 endeten mit einer Anklage. 63 Personen erhielten Gefängnisstrafen, 180 Bewährungsstrafen.

Seit der US-Geheimdienst CIA die «Rosenholz»-Dateien an Deutschland zurückgab, hofft man die noch nicht enttarnten Agenten zu entdecken. Die Personenkartei der Stasi-Auslandsabteilung HVA war unter unklaren Umständen in den Wendetagen zur CIA gelangt. Erste Erfolge gab es bereits. Sachsen ließ 50.000 Lehrer, Richter und Polizisten erneut überprüfen, mindestens 65 davon waren Stasi-Spitzel. (nz/dpa)