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Lupe Zugriff durch plaudernden Polizisten ausgelöst

Die drei Terrorverdächtigen waren so verbohrt, dass sie trotz Beobachtung nicht aufgaben. Einer schlitzte einem Verfolgungsfahrzeug beim Ampelstopp die Reifen auf.

Die Anschlagsvorbereitungen der drei am Dienstag festgenommenen Terrorverdächtigen waren möglicherweise konkreter als bisher bekannt. Sie hatten sie in Frankreich bereits drei gebrauchte Kleintransporter besorgt, wie der «Focus» berichtete. Dem Magazin zufolge gehen Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) davon aus, dass die Transporter als Autobomben eingesetzt werden sollten. Die Bundesanwaltschaft wollte ihrerseits keinen Bezug des Autokaufs zu den geplanten Anschlägen bestätigen.

Die Ermittler sprechen von zehn Beschuldigten, drei davon seien in Haft, gegen die sieben anderen wird ermittelt. Klar sei aber auch, dass ein Netzwerk normalerweise aus mehr Personen bestehe, sagte eine Sprecherin. Die «Welt» berichtete, dass BKA-Präsident Jörg Ziercke am Freitag auf der Sondersitzung der Innenministerkonferenz (IMK) von 49 Personen gesprochen habe, die im Zusammenhang mit dem Fall im In- und Ausland im Visier der Ermittler stünden. Kneuer bezeichnete diese Größenordnung als «nicht unrealistisch».

Die drei am Dienstag im Sauerland Festgenommenen hatten sich in einem angemieteten Ferienhaus angeschickt, aus einer Dreivierteltone Wasserstoffperoxid Bomben zu fabrizieren, mit denen sie von US-Amerikanern besuchte Einrichtungen in Deutschland in die Luft sprengen wollten. Die drei mittlerweile Inhaftierten schweigen in den laufenden Vernehmungen hartnäckig. Die Mehrzahl der fünf bis sieben weiteren Personen aus dem Umfeld der drei Inhaftierten soll sich laut «Bild» ins Ausland abgesetzt haben.

Nichts sagen wollte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft zu Verbindungen der Verdächtigen nach Pakistan. Laut übereinstimmenden Medienberichten wurden die Terror-Verdächtigen massiv unter Druck gesetzt, noch im September einen Anschlag in Deutschland zu verüben. Ende August habe das BKA den Telefonanruf eines Unbekannten aus Nordpakistan abgehört, der den deutschen Islamisten eine Frist von 14 Tagen gesetzt habe.

Die möglichen Ziele für einen Anschlag leiten die Ermittler laut «Spiegel» aus einer Autofahrt von Fritz G. und Adem Y. am 20. Juli ab. Auf dem Weg zu einem Chemikalienhändler in Hannover diskutierten die beiden Männer, welche Ziele man ins Auge fassen könne. Genannt wurden neben Flughäfen auch Nachtclubs oder eine Disco «mit amerikanischen Schlampen». Weil das BKA das Auto dem Bericht zufolge verwanzt hatte, konnten die Ermittler den Dialog abhören. Auch das Ferienhaus im Sauerland wurde demnach mit einem Großen Lauschangriff abgehört.

Der Zugriff am vergangenen Dienstag musste schnell erfolgen, weil die drei nach einer zufälligen Verkehrskontrolle stark verunsichert waren. Als die drei Verdächtigen zufällig in eine Kontrolle gerieten, entfuhr einem Dorfpolizisten bei der Überprüfung, die Männer stünden «ja auf der Liste des BKA». Das hätten nicht nur Fritz G., Adem Y. und Daniel S. in dem verwanzten Auto, sondern auch die live lauschenden BKA-Beamten gehört, berichtet der «Spiegel».

Wie entschlossen die Verdächtigen offenbar waren, zeigt sich dem Magazin zufolge angesichts der Tatsache, dass sie die laufende Observation offenbar bemerkten. So sei einer der Islamisten einmal an einer roten Ampel ausgestiegen und habe seelenruhig die Reifen eines Verfolger-Wagens des Verfassungsschutzes aufgeschlitzt. (nz/AP)