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Lupe Scheinhinrichtung in Wiesbadener Gefängnis

In der Justizvollzugsanstalt Wiesbaden sorgt eine Scheinhinrichtung für Aufregung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung.

Häftlinge im Wiesbadener Jugendgefängnis sollen einen Zellengenossen mit einer Scheinhinrichtung gequält haben. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ermittele wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung, sagte Sprecher Hartmut Ferse am Mittwoch. Das Justizministerium in Wiesbaden bestätigte den Zwischenfall. Ende Juli hätten Häftlinge in der Waschküche der Anstalt einen Mitgefangenen mit einer Kordel gefesselt und ihm anschließend mehrere zusammengebundene Kordeln um den Hals gelegt. Diese hätten sie ihrem Opfer aber wieder abgenommen. Gegen die Beteiligten seien Arreststrafen verhängt worden.

Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete in ihrer Mittwochsausgabe, die 18 bis 20 Jahre alten Täter hätten den jungen Untersuchungshäftling geknebelt, gefesselt und ihm eine Schlinge um den Hals gelegt. Dann hätten sie ihr Opfer auf einen Tisch gestellt und die Schnur an ein höher gelegenes Fenstergitter gehalten, als ob sie den Mithäftling erhängen wollten. Stattdessen hätten sie ihn aber wieder losgelassen.
Kein versuchtes Tötungsdelikt
Im Gefängnis von Siegburg in Nordrhein-Westfalen war im vergangenen November ein 20 Jahre alter Häftling zwölf Stunden lang gequält, sexuell missbraucht und schließlich getötet worden. Vor dem Landgericht Bonn hat Anfang August der Prozess gegen die drei Mithäftlinge im Alter von 17, 19 und 20 Jahren begonnen.

Bei der Tat in Wiesbaden handele es sich nach Einschätzung der Anstaltsleitung aber nicht um ein versuchtes Tötungsdelikt, teilte das Justizministerium mit. Der Vorfall werde jedoch sehr ernst genommen. Das Gefängnis in der hessischen Landeshauptstadt ist nach Ministeriumsangaben eine reine Jugendanstalt mit 280 Plätzen, davon 276 Einzelzellen. Dort seien vor allem männliche Straftäter vom vollendeten 20. Lebensjahr an untergebracht. Mitte August seien in Hessen insgesamt 448 junge Gefangene in Haft gewesen. (dpa)