21.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Trauer in Duisburg
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dutzende Ermittlungsverfahren gegen italienische Tätergruppen gab es in den vergangenen Jahren. Die Politik warnt, das Problem über dem Anti-Terror-Kampf zu vergessen.
Die Morde von Duisburg zeigen: Die Mafia ist keine abstrakte Gefahr, die in fernen Ländern agiert. Sie ist auch in Deutschland präsent. Der Fall, bei dem vergangene Woche vor einem Restaurant sechs Italiener starben, zeigt für Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) «dass organisierte Kriminalität unsere Gesellschaft ernsthaft bedroht und wir dies keinesfalls unterschätzen dürfen».
In Bayern gebe es derzeit ein Ermittlungsverfahren, das in Bezug zur kalabresischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta stehe, der die Mafia-Morde in Duisburg zugerechnet werden, sagte Beckstein. Bundesweit gab es im Jahr 2006 insgesamt 26 Ermittlungsverfahren (2005: 31) gegen italienische Tätergruppen mit insgesamt 355 Tatverdächtigen (2005: 466) geführt, wie das Bundeskriminalamt im «Bundeslagebild Organisierte Kriminalität» ausweist. In den meisten Fällen ging es dabei um Rauschgift- und Eigentumskriminalität. Fünf dieser Gruppierungen wiesen Bezüge zur Cosa Nostra, weitere fünf zur 'Ndrangheta sowie drei zur Camorra auf.
Einseitig auf Terror fixiertKritik gab es auch an der einseitigen Fixierung der Sicherheitsbehörden auf den Anti-Terror-Kampf. «Der Kampf gegen den Terrorismus überschattet die Gefahren der herkömmlichen Kriminalität», sagte Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, der «Frankfurter Rundschau». Dazu zählten auch die Duisburger Morde: «Dass ein Mensch in Deutschland Opfer eines terroristischen Anschlags wird, ist tausendfach unwahrscheinlicher als Opfer der organisierten Kriminalität zu werden.» Auch Konrad Freiberg, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, warnte vor einer einseitigen Fixierung auf die Bedrohung durch Terrorismus. «Die organisierte Kriminalität ist aus dem Blickwinkel der Öffentlichkeit geraten», sagte Freiberg.
Nach den Mafia-Morden in Duisburg distanzierten sich rund 20 Besitzer italienischer Restaurants von der organisierten Kriminalität. Auf Initiative der «Union der Italiener in der Welt» (UIM), die sich für die Interessen der rund 600.000 in Deutschland lebenden Italiener einsetzt, sollen die teilnehmenden Wirte einen Anti-Mafia-Aufkleber in ihrem Restaurant anbringen, um sich gegen die Organisation zu positionieren.
Zudem verpflichten sich bei der Kampagne italienische Geschäftsleute und Gastronomen per Unterschrift, jeden Versuch einer Schutzgelderpressung sofort den zuständigen Behörden zu melden und niemanden zu beschäftigen, der Kontakt mit der Mafia hat. Mit der Image-Kampagne wollen die Restaurant-Besitzer vor allem gegen Vorurteile ankämpfen. Besitzer kleinerer Pizzerien in Berlin hatten in der Woche nach der Tat über Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent geklagt. (nz/dpa/AP)