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Die braunen Wurzeln des BKA

08. Aug 2007 19:40
Wurzeln freigelegen
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Das Bundeskriminalamt ermittelt in eigener Sache. Drei Kolloquien sollen freilegen, welche Verquickungen es nach Kriegsende zwischen der Behörde und dem NS-Regime gab.

Bewachung von KZ-Transporten, Verfolgung politischer Gegner, Massenerschießungen jüdischer Zivilisten - dass die Polizei während der NS-Diktatur Freund und Helfer des Regimes war, steht für Historiker heute außer Frage. Doch erst vereinzelt ist erforscht, wie die Täter nach 1945 ihre Karrieren fortsetzen und welche Folgen dies hatte für den Aufbau eines demokratischen Polizeiapparats. Nun will das Bundeskriminalamt (BKA) seinen Teil zur Aufklärung beitragen und in eigener Sache ermitteln. BKA-Präsident Jörg Ziercke eröffnete am Mittwoch das erste von drei Kolloquien, die Verbindungslinien zwischen seiner Behörde und dem NS-Regime freilegen sollen.

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Lange hatte die Behörde dafür keinen Bedarf gesehen - schließlich wurde sie erst 1951 gegründet. Als sie 2001 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, war von der NS-Zeit nicht die Rede. Und noch im Dezember antwortete das Bundesinnenministerium auf eine parlamentarische Anfrage: «Das BKA hat keine nationalsozialistische Vergangenheit.»

Dabei lag damals bereits das Buch «Die braunen Wurzeln des BKA» vor. Der frühere BKA-Mann Dieter Schenk kommt darin zu dem Schluss, dass die Behörde «von Nazi-Tätern aufgebaut wurde». Und sie hätten dort auch reihenweise Karriere gemacht: «1959 bestand der Leitende Dienst aus 47 Beamten - bis auf zwei hatten alle eine braune Weste.» Ziercke nannte am Mittwoch ähnliche Zahlen: Nach bisherigen Erkenntnissen seien 33 der 47 Spitzenkräfte frühere SS-Führer gewesen.

Zu ihnen zählt Schenk auch Paul Dickopf, der das BKA mitkonzipiert hatte und von 1965 bis zu seiner Pensionierung 1971 dessen Präsident war. Aus Schenks Sicht war er nicht unbedingt ein eingefleischter Nazi, sondern eher ein deutschnationaler Karrierist, der bevorzugt alte Kameraden aus seiner Lehrzeit an der «Führerschule der Sicherheitspolizei» um sich scharte. Für Schenk war Dickopfs Einfluss noch drei Jahrzehnte nach dessen Ausscheiden zu spüren: «in der Halbherzigkeit, mit der Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit bekämpft werden», heißt es in seinem 2001 erschienen Buch.

Dem widersprach Ziercke am Mittwoch: «Das BKA sieht in der Bekämpfung des Rechtsextremismus seit vielen Jahren einen Aufgabenschwerpunkt.» 18 000 rechtsextremistische, fremdenfeindliche und antisemitische Straftaten im vergangenen Jahr erzeugten ein «Klima der Angst und Einschüchterung», unter dem vor allem ausländische Bürger litten: «Das darf es in unserem Staat nicht mehr geben.»

Schenks historische Befunde sind aber kaum umstritten. Der Politikwissenschaftler Hans-Gerd Jaschke lobte die Studie am Mittwoch als «sehr luzide»: «Personelle Kontinuitäten hat es gegeben.» Zu klären sei aber, ob die vorbelasteten Mitarbeiter die in der NS-Zeit erlernten Methoden weitergeführt, ihren alten Vorstellungen von Kriminalität angehangen und ihr altes Berufsverständnis weitergepflegt hätten. Diese Details soll das zweite, für September geplante Kolloquium behandeln, zu dem auch Schenk geladen ist.

Am Mittwoch ging es zunächst darum, das Thema zu umreißen. Der Publizist Ralph Giordano trug seine These von der «zweiten Schuld» der Deutschen vor: die Leugnung und Verdrängung der Nazi-Zeit und die Wiedereingliederung der NS-Elite. Ziercke sieht darin den historischen Hintergrund für die Erforschung der BKA-Geschichte: «Die Polizei stand mit dem Modus ihrer Vergangenheitspolitik während der 50er Jahre nicht allein da», sagte er am Mittwoch. (Wolfgang Harms, dpa)

 
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