netzeitung.deKöhler setzt sich für Lehrer ein

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Schulunterricht (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Der Bundespräsident hat mehr Anerkennung für Lehrer gefordert. Die Gesellschaft vertraue ihnen mit ihren Kindern das Kostbarste an, was sie habe, sagte Köhler.

Bundespräsident Horst Köhler hat am Sonntag in Berlin den fünften Weltbildungskongress eröffnet. In seiner Rede verlangt er mehr Anerkennung für Lehrer. Die Gesellschaft vertraue ihnen mit den Kindern das Kostbarste an, was sie habe, sagte das Staatsoberhaupt laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript bei der Eröffnung eines Kongresses. Deshalb müsse sie auch bereit sein, den Pädagogen gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Dies sei nicht nur eine Frage der Bezahlung. Dazu gehörten angemessene Klassengrößen, fachliche und menschliche Unterstützung und nicht zuletzt auch gesellschaftliche Wertschätzung, so Köhler.

Der Bundespräsident bezeichnete Bildung als den «vielleicht wichtigsten Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit» in der Welt. «Und deshalb ist es so elementar, dass alle Menschen Zugang zu guter Bildung haben. Dafür zu sorgen ist eine permanente Aufgabe, auch in Ländern wie Deutschland.» Die jüngsten internationalen Schulstudien hatten belegt, dass in keinem anderen Industriestaat der Welt der Bildungserfolg eines Kindes so abhängig von seiner sozialen Herkunft ist wie in Deutschland.

Gute Bildung dürfe keine Glückssache sein. «Sie ist ein Menschenrecht», sagte Köhler weiter. Doch «eine befriedigende Verwirklichung» dieses Menschenrechts sei noch nicht erreicht. Weltweit gingen noch immer fast 80 Millionen Kinder nicht in die Schule. Viel zu viele brächen ihre Schulausbildung ab, häufig noch bevor sie grundlegende Kompetenzen wie Rechnen, Lesen und Schreiben wirklich beherrschten. «Die Folge davon: Fast jeder fünfte Erwachsene weltweit ist Analphabet.»

Köhler verwies auf einen unheilvollen Teufelskreis von Mangel- und Unterernährung und fehlenden Bildungschancen in vielen Ländern der Welt, der aufgebrochen werden müsse. Dabei gebe es aus jüngster Zeit ermutigende Beispiele, so aus Vietnam und Brasilien. Auch in den meisten afrikanischen Ländern sei die Einschulungsrate deutlich gestiegen.

Für den Bildungserfolg seien nicht zuletzt gute Lehrer ausschlaggebend, sagte der Bundespräsident. Vielerorts mangele es aber an Lehrern. Köhler: «Das gilt in bestimmten Schulformen und Fächern auch für Deutschland - wenn auch in vergleichsweise überschaubaren Dimensionen.» Viel drastischer sei die Situation aber zum Beispiel in Afrika südlich der Sahara. Dort fehlten bis zum Jahr 2015 voraussichtlich weit über zweieinhalb Millionen Lehrer. Auch der Aus- und Fortbildungsstand der Pädagogen stelle in vielen Ländern der Welt ein Problem dar.

Bei dem 5. Weltkongresses der Bildungsinternationale (BI) in Berlin werden bis einschließlich Donnerstag über 1600 Delegierte der verschiedenen nationalen Pädagogen-Gewerkschaften Bildungs- und Berufsfragen erörtern. Der UN-Menschenrechtsinspektor Vernor Muñoz wird einen Zwischenbericht über das UN-Millenniumsziel geben, nach dem bis 2015 weltweit allen Kindern eine gebührenfreie und gute Grundbildung garantiert werden soll. Dabei wird Muñoz auch seinen kritischen Bericht über das deutsche Bildungssystem erläutern, den er im Frühjahr vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf vorgelegt hat. Die deutschen Mitglieder der BI sind die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie der Bundesverband der Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS). (dpa)