22. Jul 2007 10:46
Islamistisches Gedankengut ist längst im Internet präsent und es verbreitet sich «explosionsartig», wie Experten sagen. Die Polizei ist alarmiert und reagiert mit virtuellen Streifengängen.
Das LKA Niedersachsen hat seit Herbst vergangenen Jahres eine Gruppe von acht Beamten zur so genannten anlassunabhängigen Recherche eingesetzt. Dabei muss sich die Polizei bei ihren virtuellen Streifengängen bislang auf im Netz verfügbare Daten und auf Server beschränken. Nach den umstrittenen Plänen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) allerdings könnte mehr möglich sein: Er will heimliche Online-Durchsuchungen und damit einen Zugriff auf private Rechner durchsetzen. Der hannoversche Ermittler Witt weiß, dass Terroristen und ihre Unterstützer gemeinhin viel technisches Know-how mitbringen. «Die haben einen professionellen Anspruch.» Allerdings gibt es auch Unvorsichtige: Im vergangenen Jahr konnte ein Iraker aus Georgsmarienhütte bei Osnabrück festgenommen werden. Inzwischen hat Generalbundesanwältin Monika Harms Anklage erhoben, weil der Mann vom heimischen Computer aus um Unterstützer für das Terrornetzwerk El Kaida geworben und Botschaften unter anderem von Osama bin Laden verbreitet haben soll. «Er hat sich in Sicherheit gewähnt, aber nur in Teilen professionell gearbeitet», meint Witt, der zur Bewertung von Inhalten auch Islamwissenschaftler zu Rate zieht.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) ist überzeugt, dass noch mehr Fälle von «Cyber-Dschihadismus» auftauchen: «Ich gehe fest davon aus, dass wir noch viel mehr an die Oberfläche bringen.» Aus Sicht des stellvertretenden Chefredakteurs der Computerzeitschrift c't, Jürgen Kuri, ist es blauäugig, zu meinen, man hinterlasse keine Spuren im Internet. «Niemand ist anonym im Netz.» Beim Geschäft mit Kinderpornografie etwa könne die Polizei spätestens dann zuschlagen, wenn Kreditkarten-Daten und Bankverbindungen per Internet ausgetauscht werden, sagt Kuri.
Die Fahnder sind in Tauschbörsen, Chaträumen und anderen Internetdiensten unterwegs - das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden arbeitet schon seit 1999 mit einer Netzpolizei. Per digitalem Fingerabdruck - der unverwechselbare Code einer Datei - verfolgen Ermittler den Weg von kinderpornografischem Material im Netz - oft bis ins Ausland.
Das LKA-Team in Hannover habe in diesem Jahr bislang rund 250 «Treffer» registriert, sagt Gerhard Schmoll, der Leiter der Gruppe für die Internet-Recherche. Wie viele Anzeigen daraus erfolgt sind, konnte er nicht sagen. Künftig soll die Polizei nach dem Willen der Bundesregierung Straftaten im Internet besser auf die Spur kommen: Nach einem auch umstrittenen Gesetzesvorhaben sollen sämtliche Telefon- und Internetverbindungsdaten künftig ein halbes Jahr gespeichert werden. (Von Monika Wendel, dpa)