12.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Pauli will den CSU-Vorsitz
Schon die Kampfkandidatur zwischen Seehofer und Huber stellt die bisher eher durch Erbfolge verjüngte CSU-Führung vor Probleme. Nun kommt eine Frau hinzu. Nicht irgendeine. Reformgeist oder PR-Coup?
Es liest sich wie ein Missverständnis – die Fürther Landrätin Gabriele Pauli will Edmund Stoiber als CSU-Chef ablösen. Doch wie ihr persönlicher Sprecher, der Journalist Roland Beck, am Donnerstag sagte, will Pauli tatsächlich auf dem CSU-Parteitag Ende September für den Chefposten antreten. «Ich habe mich dazu entschlossen für den CSU-Vorsitz zu kandidieren, weil die Partei eine Erneuerung braucht», hatte die 50-Jährige zuvor im Deutschlandfunk bekannt. Ihre Mission: Die im Volk vorhandenen Kräfte und Ideen zur Erneuerung der Partei zu sammeln.
Angedeutet hatte sie ja schon, dass sie sich zu Höherem berufen fühlt: Im März ließ sie wissen, dass sie bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2008 auf eine erneute Kandidatur als Landrätin verzichten werde. Mit ihrem Antreten für den CSU-Vorsitz steht die 50-Jährige in Konkurrenz zu Wirtschaftsminister Erwin Huber, der als gesetzter Kandidat gilt – aber auch zu Bundesagrarminister Horst Seehofer, der seinen Anspruch anmeldete. Frei ist der Posten, weil CSU-Chef Edmund Stoiber nach innerparteilichem Druck seinen Rückzug als Parteiführer und vom Ministerpräsidentenamt zu Ende September angekündigt hatte.
Zur Erinnerung: Pauli trat zuletzt im Rechtsstreit mit dem Magazin Park Avenue in Erscheinung. Stylisten hatten das CSU-Vorstandsmitglied mit Latex-Handschuhen und einer Perücke ausgestattet, ein Fotograf sie für eine Fotostrecke abgelichtet. Ins Blatt fand neben den Bildern aber auch das Geplänkel mit den Redakteuren am Rande des Shootings, sehr zum Ärger des Models. Sie klagte, verzichtete jedoch am Ende auf einen Prozess.
Bekannt geworden war die passionierte Motorradfahrerin vergangenes Jahr, als sie den Führungsanspruch Stoibers öffentlich infrage stellte. Ausgangspunkt war ihr Vorwurf, ein Büroleiter Stoibers habe sich in ihrem persönlichen Umfeld gezielt nach den Gründen für ihre Stoiber-Skepsis erkundigt. Der Büroleiter wurde ein paar Zimmer weiter versetzt, juristisch hatte der Vorfall keine Folgen.
Mit ihrer Kritik an Stoiber war sie kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres quasi über Nacht bundesweit Thema der Zeitungsschlagzeilen und Gast in Talkshows. Nur vier Wochen später gab Stoiber seinen Rückzug von beiden Ämtern bekannt. Mittlerweile war auch in der übrigen Führung Konsens, dass die Partei reif ist - vielleicht nicht gleich für einen Generationswechsel, aber auf jeden Fall für einen der Führung.
Die CSU-Spitze sieht Paulis Schritt gelassen. «Es steht jedem frei zu kandidieren», sagte Mit-Bewerber und CSU-Vorstandsmitglied Huber. Sein eigener Antritt bleibe davon unberührt. Auch Seehofer gab sich entspannt. «Jeder kann kandidieren, mir macht das keine Angst.»
Bei den Funktionären an der CSU-Basis trifft Paulis Coup eher auf Skepsis. Der bayerische Kultusminister und Vorsitzende des einflussreichen CSU-Bezirks Oberbayern, Siegfried Schneider, schloss eine Unterstützung der Landrätin durch seinen Bezirk eher aus. Der Nürnberger Bürgermeister Klemens Gsell, der Pauli im innerparteilichen Streit oft verteidigt hatte, gab sich reserviert. Es handle sich um ihre private Entscheidung, die er so zur Kenntnis nehme.
Die Fans reagierten auf die Nachricht prompt: «Sie sind die einzig wirklich würdige Kandidatin für den CSU-Vorsitz. Viel Glück», schreibt Sabine Körnig aus Kirchlengern auf Paulis Homepage ins Gästebuch, kaum dass die Online-Portale die Kunde verbreiteten. Im Viertelstundentakt füllte sich das Forum: «Sensationell», heißt es, «Respekt» wird gezollt vor der Entscheidung, gegen «diese Großkopferten» anzutreten. Selbst ein Hannoveraner jubelt: «Wenn einer die CSU führen kann- dann natürlich Sie!» Doch von der Isar her wird Gift versprüht: «Frau Pauli, Sie haben keine Chance. Im Gegenteil, die CSU wird durch Sie eine Lachnummer», schreibt ein Münchner. Ein anderer prophezeit schon das Wahlergebnis, das Pauli gegen Huber und Seehofer erzielen wird: «Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte.»