08. Jul 2007 14:08
Merkel fordert Europa zur Verteidigung seiner Werte auf. Dabei verweist die Kanzlerin auf das christlich-abendländische Menschenbild als Pfeiler im Wertefundament. Und nennt Feinde.
Als Beispiel nannte sie den Iran. Herausforderungen wie die durch den iranischen Präsidenten Ahmadinedschad, der den Holocaust leugne und Israel auslöschen wolle, könne Europa nur geschlossen begegnen, sagte Merkel. Die EU sei nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft: «Wir brauchen die Europäische Union als Wertegemeinschaft», mahnte die Kanzlerin. «Toleranz ist für mich die Seele Europas.» Sie müsse gegen Extremisten verteidigt werden: «Hier gilt: Null Toleranz mit Intoleranz!»Sie sei froh, dass der Begriff von der unantastbaren Würde des Menschen und der Hinweis auf das religiöse Erbe Europas in die europäischen Verträge Eingang gefunden habe.
Die EU werde nach der Ratifizierung des Grundlagenvertrags aus der Phase der Selbstreflexion herauskommen, in der unterschiedliche Interessen zum Teil «sehr extensiv» zum Ausdruck gekommen seien. Nun habe die EU zur Handlungsfähigkeit zurückgefunden, so die Kanzlerin. Dazu gehöre auch die Möglichkeit, dass Entscheidungen mit qualifizierten Mehrheiten getroffen werden können. Außerdem nehme der neue EU-Grundlagenvertrag den Bürgern ihre Sorge vor einem «EU- Superstaat».
Mit den Muslimen in Deutschland führe die Politik einen Dialog, «in dem aber auch Kritik einen ganz festen Platz hat». Merkel rief die Kirchen auf, sie sollten ihr Wächteramt im gesellschaftlichen Diskurs wahrnehmen und sich bei den Zukunftsfragen einmischen. «Toleranz muss und kann nur Tag für Tag gelebt werden.» Die Evangelische Akademie Tutzing sei ein offenes Diskussionsforum und eine Denkwerkstatt, die die Demokratie bereichere: «Wir brauchen solche Oasen der Vielfalt und der Toleranz», sagte Merkel. (AP/epd)