Walser, Lenz und Hildebrandt waren in der NSDAP
30.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Abteilungsleiter des Bundesarchivs zweifelte indirekt diese Darstellungen an. Kreikamp sagte der dpa, für die Aufnahme in die NSDAP seien schriftliche Anträge mit eigenhändiger Unterschrift vorgeschrieben gewesen. Derartige formale Vorschriften seien nach den Erkenntnissen seiner Behörde auch während des Krieges streng eingehalten worden. Auch der Historiker Michael Buddrus vom Institut für Zeitgeschichte kommt laut «Focus» zu dem Ergebnis, dass eine Aufnahme in die Partei ohne eigene Unterschrift unwahrscheinlich sei.
Walser verwies in der «BamS» auf einen Erlass der Partei-Kanzlei vom 11. Januar 1944. Darin verfügte Reichsleiter Martin Bormann, alle Jahrgänge 1926 und 1927 der Hitler-Jugend sollten eine Erklärung abgeben, welcher Gliederung sie beitreten wollen. Die Namen und Anschriften hätten danach «listenmäßig» den örtlichen Führern übermittelt werden müssen. «Ich hätte niemals die NSDAP gewählt», versicherte Walser.
Walser meinte im «Focus»: «Ich habe mich nie beworben, an dieser Partei teilzunehmen. Ich habe keinen Antrag gestellt. Stellen Sie sich vor, als 16-Jähriger würde ich in Wasserburg in die NSDAP eintreten. Das ist absurd.»
Erst im vergangenen Jahr hatte Literaturnobelpreisträger Günter Grass mit seiner Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» für Aufregung gesorgt, in der er erstmals seine kurzzeitige Zugehörigkeit zur Waffen-SS als Jugendlicher gegen Ende des Zweiten Weltkrieges publik gemacht hatte. Zuvor waren bereits andere prominente Literaten beziehungsweise Literaturwissenschaftler mit der späten Entdeckung ihrer NS-Karteikarten konfrontiert worden wie Walter Jens, Walter Höllerer (Mitbegründer der «Gruppe 47») und Peter Wapnewski.
Höllerer gestand seine Mitgliedschaft ein, der Germanist Wapnewski hielt sie für möglich, obwohl er nie ein Parteibuch gesehen habe, und Jens hatte «keine Erinnerungsbilder» an seine Mitgliedschaft. Grass hatte sich damals gegen den «Hämeton» der Kritiker in diesen Fällen gewandt: Mit Enthüllungen dieser Art könne man «nicht ein Leben zudecken». (dpa)

