netzeitung.deMöllemanns Tod bleibt unaufgeklärt

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Möllemann (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Möllemann
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Video nährte Hoffnungen, mehr über den in Teilen mysteriösen Tod des einstigen FDP-Chefs zu erfahren. Doch die Staatsanwaltschaft hatte den Film längst ausgewertet.

Für die Staatsanwaltschaft bleibt der Hintergrund des Todessturzes des einstigen FDP-Chefs Jürgen Möllemann auch nach einer detaillierten Auswertung eines Videos durch die «Bild»-Zeitung weiter unklar: «Für uns ergeben sich daraus keine neuen Erkenntnisse», sagte der Essener Staatsanwalt Hans- Christian Gutjahr der Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf Amateuraufnahmen, über die die Zeitung berichtet hatte. Über die Bilder sei bisher nur bekannt gewesen, dass sie zu den Ermittlungsunterlagen gehörten.

«Bild» sah in dem Film «klare Hinweise» darauf, dass Möllemann sich selbst das Leben nahm. Die Schlüsselszene dafür ist dem Bericht zufolge die Reaktion von Möllemanns Fallschirmspringer-Kameraden am Schluss des Videos. Zu sehen ist der Rucksack des Toten mit dem nicht aktivierten Notsystem, das automatisch den Reserve-Fallschirm ausgelöst hätte. Die Kameraden Möllemanns diskutieren darüber, dass der FDP-Politiker vor dem Einsteigen in die Maschine auf dem Sportflugplatz Marl/Lohmühle die gegenseitige Kontrolle dieses Notsystems ausgelassen habe, als er noch «das letzte Glas Wasser» trinken gegangen sei.

Für Schulungszwecke ausgehändigt
Möllemann war am 5. Juni 2003 bei einem Fallschirmsprung ums Leben gekommen. Die anschließenden Untersuchungen konnten nicht klären, ob es sich um einen Freitod oder ein Unglück handelte. «Man kann nicht ausschließen, dass es Selbstmord war, man kann es aber auch nicht sicher sagen», sagte der Staatsanwalt.

Hinweise auf eine Manipulation durch Dritte hatten die Ermittler bei der Auswertung nicht gefunden. Das Video war nach Einstellung des Verfahrens im Juli 2003 zunächst bei der Behörde geblieben. Anfang 2006 wurde es dem damals eingeschalteten Sachverständigen zu Ausbildungs- und Schulungszwecken ausgehändigt. Eine Kopie des Videos ging an den Eigentümer. Weitere Kopien liegen den Angaben zufolge bei der Staatsanwaltschaft Essen nicht vor.

Die Selbstmord-These nährten vor allem die Ermittlungsverfahren, die Zusammenhang mit einer Parteispendenaffäre die Münsteraner und die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen Möllemann angestrengt hatten. Kurz vor seinem Todessprung hatte der Bundestag in Berlin die Immunität des Mitte März 2003 aus der FDP ausgetreten Abgeordneten aufgehoben. Danach hatten Beamte der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung die Wohnräume Möllemanns in Münster durchsucht. (nz/dpa)