Denn zeitgleich mit Stoiber macht sich auch Wirtschaftsminister Erwin Huber mit 70 Unternehmensvertretern in die russische Hauptstadt auf, um den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Freistaat und Russland neuen Schub zu geben. Das wieder selbstbewusst auftretende und wirtschaftlich starke Russland ist Deutschlands wichtigster Energielieferant. Die Wirtschaft hat kein Interesse an einer Eiszeit im Verhältnis zu Moskau, wie es in jüngster Zeit in der Politik drohte - vor allem wegen der geplanten US-Raketenabwehr in Mitteleuropa. Stoiber brachte sich bereits als Freund Russlands in Position, der Verständnis für die Sorgen und psychologischen Befindlichkeiten der Großmacht hat. Dass Stoiber und sein möglicher Nachfolger als CSU-Chef Huber zwar zeitgleich nach Moskau reisen, aber getrennt fliegen - Huber mit Aeroflot, Stoiber mit gemieteter Sondermaschine - will natürlich keiner als bewusste Distanzierung verstehen.
Huber hatte seine lang geplante jährliche Wirtschaftsreise nach Russland mit großem Aufwand vorverlegt, um gleichzeitig mit Stoiber in Moskau sein zu können. Dort werden Huber und Stoiber wohl in getrennten Hotels wohnen - Huber im Metropol und Stoiber im neu eröffneten Ritz Carlton. Nahe am Kreml liegen sie beide. (Dorothea Hülsmeier, dpa)