netzeitung.dePolizei-Vize droht «riesiges Problem»

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Womöglich wurden in Sachsen-Anhalt rechte Straftaten vertuscht (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Womöglich wurden in Sachsen-Anhalt rechte Straftaten vertuscht
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In Sachsen-Anhalt soll die Polizei auf Anweisung rechte Straftaten vertuscht haben. Ministerpräsident Böhmer droht der Behördenleitung mit Konsequenzen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer erwägt, Konsequenzen aus dem Verhalten des stellvertretenden Dessauer Polizeipräsidenten Hans-Christoph Glombitza zu ziehen. Glombitza soll polizeiliche Staatsschützer aufgefordert haben, bei rechten Straftaten «weniger hinzuschauen». Der Vorgang werde derzeit geprüft, sagte Böhmer dem Magazin «Panorama» des Norddeutschen Rundfunks (NDR). «Wenn sich dies bestätigen sollte, dann bekommt der Betroffene ein riesiges Problem.»

Die umstrittenen Äußerungen sollen im Februar in einem Gespräch zwischen Glombitza und drei Dessauer Staatsschützern gefallen sein. Der stellvertretende Polizeipräsident soll seine Anweisung zum «weniger Hinschauen» laut dem «Panorama» vorliegenden Gedächtnisprotokoll der Staatsschützer damit begründet haben, dass über die Zunahme der Ermittlungsverfahren und die hohen Fallzahlen «niemand glücklich» sei. Das Ansehen des Landes könne dadurch nachhaltig geschädigt werden. Glombitza habe dann den Staatsschützern nahegelegt, sie könnten beispielsweise Berichte «langsamer schreiben».

Glombitza lehnt eine Stellungnahme zu den Behauptungen ab. Auch seine Vorgesetzte, die Dessauer Polizeipräsidentin Brigitte Scherber-Schmidt, will «keine Interviews zu dienstlichen Angelegenheiten geben». Dagegen haben die Staatsschützer eidesstattlich versichert, das interne Dienstgespräch korrekt wiedergegeben zu haben. Dieses Protokoll gelangte dann an die Öffentlichkeit. Danach wurden die Beamten innerhalb der Polizei versetzt.

Nun bitten sie in «Panorama» um die Rückkehr auf ihre alte Dienststelle: «Ich bin enttäuscht, diese Arbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht», sagte der ehemalige Dessauer Staatsschutzleiter Sven Gratzik dem Magazin. Der Experte für rechtsextremistische Gewalt muss sich künftig in Köthen um entlaufene Katzen und Ruhestörer kümmern. Auch der ehemalige Sachbearbeiter im Staatsschutz Christian Kappert bedauert seine Versetzung in den zentralen Einsatzdienst Dessau. «Ich habe meine vorige Verwendung sehr gerne gemacht. Jetzt muss ich den fließenden Verkehr überwachen.»

Ministerpräsident Böhmer signalisiert gegenüber «Panorama» ein mögliches Einlenken: «Selbstverständlich, wenn es sich herausstellt, dass sie ungerechtfertigt versetzt worden sind, wird das rückgängig gemacht.» (nz)