Merkel sieht Europas Zukunft in Gefahr
Merkel räumte ein, dass im Streit mit Polen über die Reform des Abstimmungsmodus in der EU «eine Lösung noch nicht in Sicht» sei. Sie erinnerte aber auch daran, dass die 27 Mitgliedstaaten beim EU-Jubiläumsgipfel im März in Berlin bereits ein Bekenntnis dazu abgelegt haben, die EU bis 2009 auf eine erneuerte Grundlage zu stellen.
Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer versuchte eine Erklärung für den Widerstand Polens. «Man gewinnt den Eindruck, dass Polens Führung unter den Brüdern Kaczynski den Deutschen den Erfolg nicht gönnt, die Reform wieder in Schwung zu bringen», sagte er der «Süddeutschen Zeitung». Präsident Lech Kaczynski und sein Zwillingsbruder, Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski, fordern für Polen ein größeres Stimmengewicht in der Europäischen Union und drohen mit einem Veto beim kommenden EU-Gipfel. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bewegte Polen in Richtung eines Einlenkens. Sarkozy traf am Donnerstag in Warschau zunächst Staatschef Lech Kaczynski zu einem Gespräch mit anschließendem Arbeitsessen.
Tschechien oder Ungarn etwa zeigten sich wie die meisten osteuropäischen Länder befürworteten dagegen die Initiative Merkels. Strittig sind eine Vielzahl von Details, darunter die Frage, inwieweit die Europäische Grundrechtecharta in dem Papier verankert wird. Insbesondere Großbritannien ist dagegen.
In namentlicher Abstimmung lehnte der Bundestag darüber hinaus einen Antrag der Linksfraktion zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns ab. Dem mit SPD-Positionen identischen Antrag hatten die Sozialdemokraten aus Koalitionsräson nicht zusgetimmt. (nz/dpa)
