netzeitung.deAbrechnung mit dem Gipfel

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Baden mit Folgen: Einige Demonstranten drangen am Freitag bis ins Sperrgebiet vor (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Baden mit Folgen: Einige Demonstranten drangen am Freitag bis ins Sperrgebiet vor
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die G8-Gipfelrunde ist abgereist - und Deutschland zieht Bilanz. Polizisten klagen über verschimmeltes Essen, Gipfelgegner über Polizeigewalt. Aber auch Einsicht prägt die Statements. Bilderschau: Kusshand, Clowns und Wasserwerfer Hatz vor der Küste - Greenpeace dringt in Sperrzone ein Kanzlerinnen-Gatte Sauer ist der Hahn im Korb G8-Konzert: "Deine Stimme gegen die Armut"

Begleitet von starken Polizeikontrollen sind am Freitag in Rostock die Proteste gegen den G8-Gipfel im Seebad Heiligendamm mit einer Kundgebung zu Ende gegangen. Am Stadthafen versammelten sich dazu mehrere tausend Gipfelgegner. Ein spontaner Demonstrationszug von rund 2500 Blockierern gelangte wegen einer Polizeisperre erst nach mehreren Stunden auf das Gelände. Am Rande gab es Rangeleien.

Ihre dreitägigen Sitzblockaden rund um den Tagungsort Heiligendamm halten die Gegner für einen großen Erfolg. Insgesamt bis zu 13.000 Teilnehmer hätten es geschafft, die Versorgung des Gipfels auf dem Landweg zu unterbinden, bilanzierte Lea Voigt von der Gruppe Block G8. Die Behörden hätten für Transporte zum Tagungshotel auf den Luft- und Seeweg ausweichen müssen. «Wir sind mehr als zufrieden.» Nach Ansicht von Werner Rätz, der für Attac die Großdemonstration am vergangenen Samstag organisiert hatte, hat diese Woche «die politische Welt in Deutschland verändert».

Die Organisatoren der Kundgebung bedauerten selbstkritisch die Krawalle bei ihrer Demonstration am vergangenen Samstag in Rostock. «Wir haben am vergangenen Samstag auch hässliche Bilder produziert», sagte Rätz. Er wolle diese Bilder nicht relativieren, aber sie zeigten auch, dass Rostock «Teil einer internationalen Realität» geworden sei. Bei Krawallen nach dieser Auftakt-Demonstration hatte es knapp 1000 verletzte Teilnehmer und Polizisten gegeben.

In den Camps um Heiligendamm zählten die Organisatoren insgesamt rund 18.000 Globalisierungskritiker. Block G8 warf der Polizei erneut gewalttätiges Vorgehen vor: «Die Polizei ging mit massiver Gewalt vor, nicht deeskalierend», sagte Voigt zu den Auseinandersetzungen am westlichen Zufahrtstor durch den Heiligendamm umgebenden Sicherheitszaun. Ein Demonstrant sei dort am Donnerstag von einem Wasserwerfer so schwer verletzt worden, dass er auf einer Seite blind werden könnte.

Die Polizei berichtete von 245 Demonstranten, die am Donnerstag in Gefangenensammelstellen gebracht worden seien und von 62 Festnahmen. Zehn Demonstranten und ein Polizist seien unter anderem bei Einsätzen von Wasserwerfern leicht verletzt worden, sagte Polizeisprecher Olaf Seitels. Die Polizei habe ihre «Einschreitschwelle» herunter gesetzt, wolle aber weiter auf Deeskalation setzen.

Die Bedingungen in den Gefangenensammelstellen waren nach Angaben des Republikanischen Anwaltsvereins, der einen Notdienst für die Demonstranten eingerichtet hatte, teils unzumutbar. Gipfelgegner seien teils in Drahtkäfigen mit Betonböden untergebracht worden, 20 Gefangene seien auf 25 Quadratmetern eingesperrt worden. Die Anwälte der Gipfelkritiker schätzten 1200 Ingewahrsamnahmen. Die Polizeisondereinheit «Kavala» äußerte sich zunächst nicht zu den Haftbedingungen.

Umso offener war man an anderer Stelle: Die Gewerkschaft (GdP) nannte die Zustände bei Verpflegung und Unterkunft der Polizisten unerträglich und eine «Sauerei». Während die Regierungschefs sich von Spitzenköchen umzaubern ließen, würden die Polizisten während des tagelangen Dauereinsatzes mit vergammeltem Essen abgespeist. «Ein Skandal, der Konsequenzen nach sich ziehen muss», sagte Josef Scheuring, Vorsitzender der GdP-Gliederung Bundespolizei,

Am Freitagmorgen waren die letzten Demonstranten von dem rund zwölf Kilometer langen Sicherheitszaun abgezogen. Tausende Menschen hatten dort in den vergangenen drei Tagen Absperrungen überwunden, Zufahrtswege besetzt und die Kontrollpunkte am Sicherheitszaun belagert. Dabei war es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Teilweise hatten die Demonstranten seit Mittwochvormittag ausgeharrt. (nz/AP/epd/dpa)