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Dr. Sommer auf dem Kirchentag

07. Jun 2007 20:30
Liebe auf dem 31. Kirchetag in Köln
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«Alle singen das Hohe Lied der Liebe, aber keiner kann es richtig.» Im «Zentrum Liebe» können sich Kirchentagsbesucher den Zusammengang von Religion und Erotik erläutern lassen.

Wer beim Kirchentag in Köln die Liebe sucht, findet sie in den Gemäuern eines ehemaligen Kartäuserklosters. In den Räumen der evangelischen Kirche Köln in der Altstadt hat das «Zentrum Liebe» Quartier bezogen. Das Zentrum ist eine Premiere für den Kirchentag. Im Mittelpunkt steht die Haltung der Kirche zur Sexualität. Außerdem geben Workshops Tipps für die Pflege der Liebe - und am Samstag steht ein «erotischer Gottesdienst» auf dem Programm.

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Bereits am ersten Tag ist außer Liebe auch Geduld gefragt. Vor dem Eingang stehen etwa hundert Besucher, die nicht mehr in den vollen Raum eingelassen werden. Glück haben die 17-jährigen Schülerinnen Judith und Anna aus Osnabrück gehabt. Sie sitzen direkt am Eingang und sind gespannt, was es zum Thema «Erotik und Christentum» zu sagen gibt. «Denn darüber wird doch sonst kaum geredet.»

Ein seit 30 Jahren verheiratetes Ehepaar, das seit fast ebenso vielen Jahren jeden Kirchentag besucht, hat sich für die Veranstaltung «Liebespaare - Die Kunst als Paar zu leben» entschieden. «Wir wünschen uns Impulse, um unsere Ehe zu reflektieren», sagt das Paar aus Bayern.

Das Zentrum Liebe sei von den evangelischen Beratungsstellen auf die Tagesordnung des Kirchentages gesetzt worden, erläutert der Kirchentagsbeauftragte der rheinischen Landeskirche, Joachim Lenz. «Alle singen das Hohe Lied der Liebe, aber keiner kann es richtig», gibt Lenz die Idee hinter dem Zentrum wieder.

Lebensnah durchspielen

Deshalb sollen alle Facetten der Liebe theologisch und lebensnah durchgespielt werden: So wurde der erotische Bibeltext des Hohelieds von dem Wuppertaler Theologenehepaar Peter und Sylvia Bukowski thematisiert. Neben Liebe in der Partnerschaft geht es ebenso um Liebe zu den Kindern und Zuneigung im Alter. Paaren wird außerdem in einem Workshop einen «Liebesführerschein» sowie das Auffrischen von Standardtänzen angeboten.

Zur Sprache kommen auch sonst eher zurückhaltend gehandelte Themen: Unter dem Motto «Kann denn Liebe Sünde sein» wird am Samstag das Verhältnis von Kirche und Sexualität diskutiert, unter anderem mit der Leiterin des «Dr.-Sommer-Teams» von der Jugendzeitschrift «Bravo». Am Abend ist ein erotischer Gottesdienst unter dem Motto «Im Weinberg der Liebe» angekündigt.

Zwar hätten die Kirchen nach wie vor Probleme mit dem Begehren und der Lust, es sei aber im Vergleich der Jahrhunderte viel besser geworden, meint die katholische Wissenschaftlerin Regina Ammicht-Quinn. Die Schweizer Psychologin Kast wirbt vor den andächtig zuhörenden Besuchern für «die Pflege der Liebe». Man könne sie nicht festhalten, aber gestalten», gibt sie den Jugendlichen, Ehepaaren und Großeltern mit auf den Weg.

Mehr als Sex

Anfangs sei das Zentrum in kirchlichen Kreisen umstritten gewesen, erklärt Lenz. Genährt wurde die Sorge zudem durch den Veranstaltungsort der Kartäuserkirche, in der vor einigen Jahren die ersten Segnungen für Homosexuelle stattfanden. Doch die Widerstände seien überwunden worden, denn es gehe bei den Veranstaltungen um viel mehr als nur Sexualität, sagt Lenz.

Eine Belastung der ökumenischen Beziehungen durch das Zentrum Liebe hält Lenz für unwahrscheinlich. Auch wenn sich der Kölner Kardinal Joachim Meisner in dieser Angelegenheit bislang nicht öffentlich geäußert hat, ist er doch präsent: Unter dem Titel «Darf ich bitten, Herr Kardinal?» sind «Kabarettistische Tanzschritte» des Kölner Pfarrerkabaretts «Klüngelbeutel» angekündigt. (Holger Spierig, epd)

 
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