netzeitung.deCSU-Vize Seehofer wehrt sich gegen Kritiker

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Horst Seehofer (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Horst Seehofer
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Im Streit um die Stoiber-Nachfolge hat CSU-Vize Seehofer indirekt damit gedroht, die Geliebten von Parteikollegen öffentlich zu machen. Die Partei reagiert gereizt und droht mit Aufstand.

CSU-Vize Horst Seehofer hat in seiner Partei große Verärgerung ausgelöst. Grund sind Äußerungen des Bundes- Verbraucherschutzministers im «Stern», die dort als Enthüllungsdrohung aufgefasst werden. Seehofer hatte dem Magazin gesagt: «Ich bin gut informiert. Ich weiß viel. Ich habe viel Material.» Er bekomme Briefe etwa von der enttäuschten Ex-Geliebten eines Parteifreundes.

Der Vorsitzende des Bildungs- Ausschusses im Bayerischen Landtag, Ludwig Spaenle, sagte am Donnerstag, die CSU werde dies nicht dulden. Wenn die Meldungen stimmten, habe Seehofer «jeden moralischen Anspruch auf den Parteivorsitz verspielt».

Der bayerische Junge-Union-Chef Manfred Weber warnte vor Schaden für die CSU. «Ich appelliere an alle, auf die politische Kultur und das Gesamtansehen der Partei zu achten», sagte Weber der Nachrichtenagentur dpa. «Wenn das jetzt so weiter geht, wird es am Ende nur Verlierer geben.» Weber ist auch CSU-Präsidiumsmitglied.

Seehofer fühlt sich missverstanden
Spaenle sagt: «Wenn jemand Hohlmeier-Methoden anwendet, gegen den werden wir aufstehen.» Er bezog sich damit auf die ehemalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier, die Münchner Parteifreunden angeblich mit Enthüllungen gedroht hatte.

Seehofer selbst fühlt sich missverstanden. Seit Wochen sieht er sich wegen der Veröffentlichung seiner außerehelichen Affäre als Opfer. So auch im vorliegenden Fall, in dem er «explizit nicht gedroht» habe. Zwar habe er «eine Menge Informationen erhalten», bestätigte der Minister dem «Oberbayerischen Volksblatt» den «Stern»-Bericht. Dazu zählten auch Briefe enttäuschter Liebhaberinnen von CSU-Größen. Allerdings wäre er «nie auf den Gedanken gekommen, mit gleichen Methoden vorzugehen wie andere. Ich begebe mich nicht auf diese Schiene der persönlichen Auseinandersetzung», zitiert ihn das Blatt.

Söder im Verdacht
In Brüssel von Journalisten auf den «Stern»-bericht angesprochen, zeigte sich Seehofer kämpferisch. Mit einer Schlammschlacht zu drohen «ist nicht meine Linie», sagte der Verbraucherschutzminister. «Es ist natürlich, dass nach den Vorgängen der vergangenen Monate mir eine Menge Informationen über alles Mögliche in dieser Welt zugespielt worden sind», erläuterte er. «Aber ich habe das immer als widerlich eingestuft, habe das nie verwertet und das auch in der Zukunft nicht vor».

Wiederholt hatte Seehofer zuletzt erklärt, dass er den Urheber der Veröffentlichung seiner Affäre in einer Boulevard-Zeitung kenne. In der CSU gilt es als offenes Geheimnis, dass er CSU-Generalsekretär Markus Söder im Verdacht hat. Umgekehrt kursieren Gerüchte, eine Geschichte über Söders uneheliches Kind in einer Illustrierten gehe auf Seehofer zurück. Der Minister bestreitet dies energisch. «Solche Kampagnen mache ich nicht.»

Damit droht die Auseinandersetzung um den CSU-Vorsitz endgültig als Schlammschlacht zu enden. Weder Seehofers Konkurrent, Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber noch Parteichef Stoiber oder Söder wollten sich zu dem Vorgang äußern. (nz/dpa)