Stoiber poltert gegen «Vertreibungs-Dekrete»
27.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Mit einem Appell zur Versöhnung nahm der scheidende Ministerpräsident Abschied von seiner Funktion als Schirmherr der Vertriebenen. «Im Dialog liegt die Zukunft unserer Kinder und Enkel in Deutschland, in Tschechien in Europa», sagte der CSU-Chef vor knapp 7000 Vertriebenen in Augsburg. Viele Gäste der Veranstaltung wischten sich nach Stoibers Rede Tränen aus den Augen: «Dies ist mein letzter Sudetendeutscher Tag als Ministerpräsident und Schirmherr», betonte der Ministerpräsident, dessen Frau Karin selbst aus einer
Vertriebenenfamilie stammt.
Posselt forderte Topolanek auf, zum nächsten Sudetendeutschen Tag 2008 zu kommen und für einen «Durchbruch» in den Beziehungen von Tschechen und Sudetendeutschen zu sorgen. Posselt unterstrich das «Recht auf Heimat» der Sudetendeutschen und verlangte die «Beseitigung aller Unrechtsdekrete», die noch in Kraft seien. Die Verwirklichung der Menschenrechte sei die Basis für ein dauerhaftes Zusammenleben der Tschechen und Sudetendeutschen. «Es ist nicht Hass, sondern die Liebe zur Heimat, die uns zusammenführt.»
Stoiber nutzte seinen Auftritt auch, die Forderung der Vertriebenenverbände nach einem Zentrum für Vertreibung in Berlin und einem Mahnmal in der Bundeshauptstadt zu unterstützen. Er sagte den Sudetendeutschen als «viertem Stamm Bayerns» seine enge Verbundenheit auch nach seinem Ausscheiden aus dem Ministerpräsidentenamt Ende September zu.
In Dinkelsbühl mahnte die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, die in der Berliner Koalitionsvereinbarung zugesagte Dokumentationsstätte zu Flucht und Vertreibung ein. Die Umsetzung lasse leider noch immer auf sich warten, sagte Steinbach am Sonntag bei einer Festkundgebung zum Heimattag der Siebenbürger Sachsen. «Es ist eine seit Jahrzehnten überfällige Verpflichtung, endlich eine Dokumentationsstätte in Berlin zu errichten, in der das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen und Aussiedler deutlich wird», betonte Steinbach. Schließlich sei von Vertreibung nahezu jede vierte Familie in Deutschland direkt oder indirekt betroffen. Das Treffen in Dinkelsbühl dauert noch bis zum Montag. (nz/dpa/AP)

