netzeitung.deBund wird Weikersheim nicht mehr fördern

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Sitz der umstrittenen Bildungseinrichtung: Schloss Weikersheim (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sitz der umstrittenen Bildungseinrichtung: Schloss Weikersheim
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das rechtskonservative Studienzentrum Weikersheim in Baden-Württemberg soll künftig keine Fördermittel des Bundes mehr erhalten. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Netzeitung.de vorliegt.

Angesichts des Vorwurfs rechtslastiger Umtriebe im Studienzentrum Weikersheim will der Bund die Förderung der Bildungseinrichtung in Baden-Württemberg beenden. Das geht aus einem Netzeitung.de vorliegenden Brief der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) an den Grünen- Bundestagsabgeordneten Volker Beck hervor. Die BpB ist dem Bundes- Innenministerium zugeordnet und beteiligt sich nach dessen Richtlinien an den Seminar-Kosten anerkannter Bildungsträger. Darunter fällt auch die Weikersheimer Einrichtung - noch.

In dem Brief an Beck schreibt der Präsident der Bundeszentrale, Thomas Krüger: «Als Reaktion auf die Entwicklungen der letzten Jahre, aber auch im Hinblick auf die aktuelle Debatte zieht sich die BpB durch die systematische Verminderung der Jahreskontingente allmählich zurück.» So sei dem Studienzentrum Weikersheim in diesem Jahr nur noch eine Jahresförderung in Höhe von 2000 Euro zugeteilt, heißt es in dem Schreiben. Es seien weder für 2007 Förderanträge gestellt worden noch habe sich die BpB habe im laufenden Jahr bereits an Veranstaltungen des Bildungsträgers finanziell beteiligt.
Filbinger-Gründung wird «aufmerksam beobachtet»
Krüger versicherte in seinem Schreiben, die Tätigkeit des Studienzentrums «aufmerksam zu beobachten». «Falls Mittel noch in diesem Jahr abgerufen werden, wird die Veranstaltung durch die BpB begutachtet werden.»

Kritiker werfen dem Studienzentrum Rechtslastigkeit vor. Das Zentrum selbst bezeichnet sich als «christlich-konservative Denkfabrik». Es wurde 1979 von Hans Filbinger gegründet, der im Jahr zuvor als Ministerpräsident zurücktreten musste, weil bekannt wurde, dass er als Marine-Richter zu Kriegsende an NS-Todesurteilen beteiligt war.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) bezeichnete Filbinger nach dessen Tod am 1. April in einer Trauerrede als Gegner des Nazi-Regimes, nahm diese Behauptung aber später zurück und bedauerte sie. Inzwischen beendete Oettinger seine Mitgliedschaft im Trägerverein des Studienzentrums.


Das Studienzentrum war einst mit Spenden aus der Industrie aufgebaut worden und wird von der Hans-Filbinger- Stiftung finanziell unterstützt. Nach Informationen von Netzeitung.de flossen seit Anerkennung der Bildungseinrichtung 1989 rund 106.000 Euro an staatlichen Fördermittel in die Denkfabrik.

In den vergangenen Jahren wurde die Förderung durch die BpB nach und nach zurückgefahren. Wurden der Einrichtung in den Jahren 1992 bis 1997 für Seminare meist 25.000 Mark (heute etwa 12.750 Euro) jährlich überwiesen, erhält Weikersheim inzwischen pro Jahr nur noch 2000 Euro. Die Mittel müssen jedes Jahr neu beantragt werden.