09.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bundesweite Anti-Terror-Razzien in linker Szene
Fast 1000 Polizisten durchkämmen seit den frühen Morgenstunden bundesweit Büros und Wohnungen linker Aktivisten. Die Razzien richten sich gegen Gegner des G8-Gipfels.
In einer bundesweiten Anti-Terror-Aktion haben Polizei und Bundesanwaltschaft am Mittwoch die linke Szene ins Visier genommen. Wegen des Verdachts der Gründung einer terroristischen Vereinigung durchsuchen rund 900 Polizisten des Bundeskriminalamtes (BKA) in Hamburg, Bremen und anderen Bundesländern etwa 40 Objekte.
Die Beamten durchforsteten zahlreiche Privatwohnungen und Büros linker Aktivisten, die verdächtigt werden, Proteste gegen den im Juni stattfindenden G8-Gipfel vorzubereiten. In Hamburg wurde unter anderem das linke Kulturzentrum «Rote Flora» durchsucht. Das ehemalige Theater sollte für das Musical «Phantom der Oper» umgebaut werden, worauf es 1989 Autonome besetzten.
Angst vor Gewalt-Aktionen In der Hauptstadt wurde nach Angaben linksgerichteter Gruppen das alternative Kulturzentrum Mehringhof und das Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg sowie alternative Medienprojekte in der Lausitzer Straße durchkämmt. Laut Bundesanwaltschaft werden auch Büros und Wohnungen in Bremen durchsucht.
Die Verdächtigen hätten das Ziel, mit «gewalttätigen Aktionen», den Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm «erheblich zu stören oder zu verhindern», sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Nach weiteren Angaben der Behörde in Karlsruhe richtet sich der Verdacht gegen «18 namentlich bekannte Personen». In Berlin ermitteln die Bundesanwälte zudem gegen drei Angehörige der so genannten «militanten gruppe» (mg). Sie soll in den vergangenen sechs Jahren 25 Anschläge verübt haben.
Flagge zeigenWie der Tagesspiegel in Berlin aus Sicherheitskreisen erfuhr, ging es ihnen mit der Aktion auch darum, «rechtzeitig vor dem Gipfel Flagge zu zeigen». Nach Einschätzung der Sicherheitskreise laufe die Mobilisierung der Gipfel-Gegner eher schleppend an.
Insgesamt erwarte man, dass zwei- bis dreitausend Gewaltbereite aus Deutschland und dem europäischen Ausland zum Gipfel anreisen werden, um das Treffen zu stören. Das seien deutlich weniger als von den Linken Gipfel-Gegnern erhofft. (nz/dpa/AP)