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IT-Experte rät Berlin zu Umstellung auf Linux

02. Mai 2007 16:17
Hält das Linux-Maskottchen auch bald in Berliner Verwaltungen Einzug?
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Sollen die Behördenrechner in Berlin mit Microsoft-Betriebssystemen laufen, oder sollen sie auf das kostenfreie Betriebssystem Linux umgestellt werden? Eine Expertise gibt darauf eine klare Antwort.

Das Land Berlin könnte seine IT-Ausgaben erheblich senken, wenn es seine Behördencomputer auf Linux oder andere Open-Source-Software umstellen würde. Zu diesem Ergebnis kommt eine Netzeitung.de vorliegende Expertise des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Berlin. Open-Source-Software habe «in nahezu allen wissenschaftlich untersuchten Fällen langfristig zu Einsparungen geführt», heißt es in dem Papier von Professor Bernd Lutterbeck. So hätten beispielsweise Befragungen der Fraunhofer Gesellschaft ergeben, dass «Kostensenkungen von bis zu 50 Prozent» möglich seien. Schätzungen zufolge betragen die IT-Ausgaben in der Berliner Verwaltung etwa 250 Millionen Euro pro Jahr.

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Die Expertise nennt als weitere Vorteile der Open-Source-Nutzung die Unabhängigkeit von Microsoft-Vorgaben bei der Lizensierung und dem zyklischen Update von Software sowie die «Stärkung regionaler Wertschöpfung». Von einer Open-Source-Strategie profitieren demnach vor allem kleine und mittlere IT-Unternehmen aus der Region. Sie übernehmen für die Verwaltungen in der Regel Dienstleistungen wie Programmierung, Konfiguration oder Anpassung von Open Source Software an spezifische Bedürfnisse, sowie die Unterstützung in der Einführungsphase und späteren Support.

Streit über Computer

Das im Auftrag der Berliner Grünen erstellte Papier soll am Donnerstag bei einer so genannten Expertenanhörung im Berliner Abgeordnetenhaus präsentiert werden. Es knüpft an einen bereits seit Jahren dauernden Streit über die Computer in den Berliner Verwaltungen an: Sollen die Rechner in den Behörden mit den Betriebssystemen des Softwarekonzerns Microsoft laufen, oder sollen sie so schnell wie möglich auf das kostenfreie Betriebssystem Linux umgestellt werden?

Der Aufforderung des Berliner Parlaments, eine Open-Source- IT-Strategie für die Hauptstadt zu entwerfen, entzog sich der Senat bisher mit dem Verweis auf den bestehenden «Open-Systems-Ansatz». In einem vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) unterzeichneten Papier, das Netzeitung.de vorliegt, heißt es dazu: Die von den Abgeordneten angemahnte Migration hin auf freie Software «widerspricht den der IT-Strategie zu Grunde liegenden Zielen und erscheint dem Senat [...] als nicht marktkonforme, technologisch und insbesondere wirtschaftlich nicht vertretbare Maßnahme». In seinen Konsequenzen sei der Beschluss der Abgeordneten daher so «nicht umsetzbar».

«Keine erkennbare Strategie»

Beim IT-Experten Lutterbeck stößt diese Position des Senats auf Unverständnis. «Die Reflektion des Open Source Themas [...] bleibt an der Oberfläche», konstatiert der Professor in seiner Expertise. «Der Senat hat so keine erkennbare verwaltungspolitische Strategie formuliert.» Im Gegenteil: In Berlin fehlt es nach Lutterbecks Ansicht «an klaren politischen Zielvorgaben für den IT-Einsatz in den Verwaltungen».

Dabei zeigen die Erfahrungen aus Verwaltungen in ganz Deutschland, dass die Umstellung von Microsoft-Software auf Open Source nicht nur machbar, sondern auch technisch sinnvoll ist. Die Stadt München ist ein Beispiel dafür. Wilhelm Hoegner ist Leiter der städtischen IT Münchens und ebenfalls zur Anhörung nach Berlin geladen. Hoegners Migrationsprojekt «LiMux» erlangte 2003 deutschlandweite Beachtung, als der Microsoft-Chef Steve Ballmer vergeblich versuchte, die Münchner Linux-Pläne zu verhindern. Im letzten Jahr begann nun die endgültige Umstellung der städtischen Rechner auf Open-Source-Software.

 
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