netzeitung.deZuviel NS-Zeit in der Schule «kontraproduktiv»

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Nazi-Diktator Adolf Hitler (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nazi-Diktator Adolf Hitler
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Schulen sollten nach Meinung des Zentralrates der Juden in Deutschland die NS-Zeit stärker thematisieren. Der Lehrerverband sieht das anders und betont, das Thema habe seinen «gebührenden Platz».

Als «nicht nachvollziehbar» hat der Deutsche Lehrerverband (DL) die Behauptung des Zentralrats der Juden bezeichnet, die Zeit zwischen 1920 und 1933 in Deutschland komme in den Geschichtsbüchern zu kurz. «Das Thema hat in den Lehrplänen und Schulbüchern seinen gebührenden Platz», sagte DL-Präsident Josef Kraus im Gespräch mit Netzeitung.de. Er riet der Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, sich erst einmal mit «den schulischen Realitäten» vertraut zu machen, ehe sie Kritik übe.

Ihre Forderung nach mehr Aufklärung über die NS-Zeit in Schulen sei «nicht berechtigt und wird auch durch permanente Wiederholung nicht richtiger», kritisierte Kraus. Bei der Vermittlung des Nationalsozialismus sei es wichtig, «ein vernünftiges Maß» zu finden. «Wir müssen aufpassen, dass die Schüler nicht die Jalousien herunter lassen», warnte Kraus. «Zuviel NS-Geschichte kann kontraproduktiv sein.» Zumal sich auch andere Fächer als Geschichte mit dem damit befassten und an manchen Gymnasien das Thema sogar zwei Mal «sehr intensiv» behandelt werde.

Auch der Cornelsen Schulbuch-Verlag widersprach Knobloch. Von den Lehrplänen her komme der Nationalsozialismus sicher nicht zu kurz, sagte Götz Schwarzrock, Redaktionsleiter Gesellschaftswissenschaften des Verlags, im Mitteldeutschen Rundfunk. Die Zeit werde insgesamt fast ein halbes Jahr im Unterricht thematisiert. Der Vormarsch rechtsradikalen Gedankenguts liege sicherlich nicht an den Lehrplänen, sondern am gesellschaftlichen Umfeld.

Knobloch hatte zuvor in Halle auf einer Lehrer-Fortbildungsveranstaltung Defizite im Geschichtsunterricht bemängelt. «Wir müssen der Frage nachgehen, wie es zum Nationalsozialismus kommen konnte», sagte sie. Ein wichtiger Teil des Unterrichts seien auch Berichte von Zeitzeugen aus den Jahren zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung durch die Nazis 1933. «Setzen Sie Zeitzeugen ein, solange wir sie noch haben. Authentizität ist besser als jedes Geschichtsbuch», mahnte Knobloch die Pädagogen.

Lehrerverbandschef Kraus wies auf die Problematik hin, überhaupt noch Zeitzeugen zu finden. «Es werden von Jahr zu Jahr weniger.» Zudem frage er sich, ob man Leute, die das Ende der Nazi-Zeit als Kinder erlebt hätten, noch als Zeitzeugen gelten lassen könne.

Ungeachtet dessen wird nach Knoblochs Ansicht das Thema Nationalsozialismus in der Schule ungenügend behandelt. Die Lehrer müssten den Schülern auch die Schuldgefühle nehmen, sagte die Zentralratspräsidentin. «Die Kinder und Jugendlichen sind nicht schuld an den Verbrechen ihrer Großväter.» Sie trügen aber eine Verantwortung für die Zukunft.

«So groß die Bedeutung der Schule bei der Extremismusbekämpfung ist, ich bin strikt dagegen, die ganze Verantwortung bei ihr abzuladen», sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). «Wir kommen nur voran, wenn sich die ganze Gesellschaft stärker gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus im Alltag zur Wehr setzt.»


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