Zuviel NS-Zeit in der Schule «kontraproduktiv»
Auch der Cornelsen Schulbuch-Verlag widersprach Knobloch. Von den Lehrplänen her komme der Nationalsozialismus sicher nicht zu kurz, sagte Götz Schwarzrock, Redaktionsleiter Gesellschaftswissenschaften des Verlags, im Mitteldeutschen Rundfunk. Die Zeit werde insgesamt fast ein halbes Jahr im Unterricht thematisiert. Der Vormarsch rechtsradikalen Gedankenguts liege sicherlich nicht an den Lehrplänen, sondern am gesellschaftlichen Umfeld.
Knobloch hatte zuvor in Halle auf einer Lehrer-Fortbildungsveranstaltung Defizite im Geschichtsunterricht bemängelt. «Wir müssen der Frage nachgehen, wie es zum Nationalsozialismus kommen konnte», sagte sie. Ein wichtiger Teil des Unterrichts seien auch Berichte von Zeitzeugen aus den Jahren zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung durch die Nazis 1933. «Setzen Sie Zeitzeugen ein, solange wir sie noch haben. Authentizität ist besser als jedes Geschichtsbuch», mahnte Knobloch die Pädagogen.
Lehrerverbandschef Kraus wies auf die Problematik hin, überhaupt noch Zeitzeugen zu finden. «Es werden von Jahr zu Jahr weniger.» Zudem frage er sich, ob man Leute, die das Ende der Nazi-Zeit als Kinder erlebt hätten, noch als Zeitzeugen gelten lassen könne.
Ungeachtet dessen wird nach Knoblochs Ansicht das Thema Nationalsozialismus in der Schule ungenügend behandelt. Die Lehrer müssten den Schülern auch die Schuldgefühle nehmen, sagte die Zentralratspräsidentin. «Die Kinder und Jugendlichen sind nicht schuld an den Verbrechen ihrer Großväter.» Sie trügen aber eine Verantwortung für die Zukunft.
«So groß die Bedeutung der Schule bei der Extremismusbekämpfung ist, ich bin strikt dagegen, die ganze Verantwortung bei ihr abzuladen», sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). «Wir kommen nur voran, wenn sich die ganze Gesellschaft stärker gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus im Alltag zur Wehr setzt.»
Für das Web ediert von Dietmar Neuerer

