24. Apr 2007 15:23, ergänzt 17:12
Christian Klar hat vor Gericht erstritten, dass er das Gefängnis demnächst zeitweise verlassen darf. Sein Anwalt sieht ihn nun schon in Berlin – als Bühnentechniker. Literaturnobelpreisträger Grass will vermitteln.
Die Entscheidung des Landgerichts Karlsruhe, Klar nach 24-jähriger Haft «begleiteten Ausgang» und weitere Erleichterungen zuzubilligen, wertet der Anwalt als persönlichen Erfolg. Durchgesetzt hat er dies gegen die baden-württembergische Landesregierung, die die bereits beschlossenen Haftlockerungen gestoppt und ein neues Haftgutachten zu Klar in Auftrag gegeben hatte. Anlass dafür war ein kapitalismuskritisches Grußwort Klars, das er im Januar zu einer Tagung «Rosa-Luxemburg-Stiftung» in Berlin vortragen ließ. Der Stuttgarter Justizminister Ulrich Goll (FDP) sah danach die Voraussetzungen für Freigang nicht mehr gegeben. Doch aus Sicht des Karlsruher Landgerichts hatten sich mit dem Grußwort keine neuen Umstände ergeben, die gegen Vollzugslockerungen sprechen.
Klar könnte - falls er nicht zuvor von Bundespräsident Horst Köhler begnadigt wird - frühestens Anfang 2009 nach 26 Jahren völlig aus der Haft freikommen. Doch auch dann werde jeder Schritt Klars unter Beobachtung stehen, ist sich Kaleck sicher. Tatsächlich ist gerade das «Berliner Ensemble» kein guter Ort zum Abtauchen. Gelegen in der Mitte des Berliner Ostens an der Spree, sind dort jeden Tag Hunderttausende unterwegs, darunter nicht wenige Journalisten. Aus dem dort gelegenen Regierungs- und Parlamentsviertel gab es erste Reaktionen: Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, mit dem Urteil des Landgerichts Karlsruhe habe der Rechtstaat Stärke gezeigt. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag, Peter Ramsauer, warnte davor, aus den «Aussagen verurteilter Verbrecher» im Schnellschluss eine Neubewertung der damaligen Vorgänge abzuleiten.
Mit dem Fall Klar will sich auch noch der Bundespräsident befassen, an den Klar ein Gnadengtesuch stellte. Literaturnobelpreisträger Günter Grass brachte sich am Dienstag als Vermittler zwischen Klar und Bundespräsident Köhler ins Spiel. «Ich hätte keine Scheu, mit Klar zu sprechen», sagte Grass Radio Bremen.