Thierse warnt vor Zuschauerdemokratie im Osten
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sieht in der extrem niedrigen Wahlbeteiligung bei den Kommunalwahlen am Sonntag eine Herausforderung für alle demokratischen Parteien. Sie seien gefordert, den Menschen mehr als bisher politische Prozesse und Entscheidungen zu erklären, sagte er am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Magdeburg. «Dabei müssen wir vor allen Dingen deutlich machen, dass Politiker nicht beliebige Entscheidungsfreiheit haben. Wenn Geld fehlt wird es nicht dadurch besser, indem man neues druckt.»
Nach Einschätzung des Regierungschefs ist die Bevölkerung keineswegs unpolitisch. «Wenn es darum geht, zu meckern und zu kritisieren, dann sind viele dabei. Wenn es aber darum geht, Verantwortung zu übernehmen, dann sind offensichtlich viele nur schwer zu begeistern.» Er habe auch keine perfekte Erklärung dafür, warum dies so sei, sagte Böhmer
Die CDU hatte die Wahlen am Sonntag mit landesweit 33,6 Prozent der Stimmen vor der SPD mit 20,2 Prozent und der Linkspartei mit 19,2 Prozent klar gewonnen. Die FDP erhielt 8,4 Prozent, die Grünen 3,2 Prozent. 2004 hatte die CDU - bezogen auf die Regionen, in denen am Sonntag gewählt wurde - 37,2 Prozent erreicht. Auch die Linkspartei büßte am Sonntag ein, die SPD wiederholte ihr Ergebnis von 2004. Die Wahlbeteiligung sackte auf den historischen Tiefststand von 36,5 Prozent ab. Grund für die Wahlen war die Kreisgebietsreform. (nz/dpa)
