Auch Kramer warnte davor, nun «einfach zur Tagesordnung überzugehen nach dem Motto 'gesagt, entschuldigt und gut'». Die «Nachbeben der Affäre» würden noch lange zu spüren sein. «Der Schaden ist groß, die Folgen sind verheerend.» Er erwarte, dass sich Oettinger künftig aktiv an der Bekämpfung von Rechtsextremismus und Revisionismus beteiligt. Der Generalsekretär der baden-württembergischen CDU, Thomas Strobl, will die Nazi-Vergangenheit von Hans Filbinger dagegen in seinem Landesverband nicht neu diskutieren. Geschichtliche Aufarbeitung betrachte er nicht als Aufgabe eines Ministerpräsidenten oder der Politik insgesamt, sagte Strobl am Dienstag im Südwestrundfunk (SWR). Im Fall des früheren Ministerpräsidenten gebe es nach wie vor unterschiedliche Auffassungen, die von Historikern geklärt werden müssten. Regierungschef Günther Oettinger habe sich entschuldigt, weil die öffentliche Wirkung seiner Trauerrede so nicht beabsichtigt gewesen sei.
Im Berliner Bundes-Archiv tauchte indessen der NSDAP-Mitgliedsantrag Filbingers auf. Damit seien die Zweifel an dessen Mitgliedschaft in der Nazipartei ausgeräumt, sagte Bundesarchiv-Abteilungsleiter Kreikamp im ARD-Fernsehen. Nach seinen Angaben ist der Antrag auf den 20. Mai 1937 datiert. (nz/AP)