netzeitung.deKabul spricht Beck Außenpolitik-Kompetenz ab

 Herausgeber: netzeitung.de

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

SPD-Chef Beck werde wohl keine Koalition mit einer «moderaten NPD» eingehen, meint der afghanische Außenminister. Becks Idee, dass es «moderate Taliban» geben könnte, sei genauso abwegig.

SPD-Chef Kurt Beck trifft mit seinen Vorschlägen zur Einbindung der islamistischen Taliban auch in der afghanischen Regierung auf Ablehnung. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident hatte vorgeschlagen, eine neue Afghanistan-Konferenz unter Beteiligung gemäßigter Taliban-Vertreter abzuhalten.

Der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta sagte im Norddeutschen Rundfunk (NDR), es gebe keine moderaten Taliban. «So eine Klassifizierung ist eine Erfindung von denjenigen, die von Afghanistan keine Ahnung haben.» Der Vorschlag Becks sei vergleichbar damit, wenn man aus Kabul vorschlagen würde, in Rheinland-Pfalz eine Koalition mit einer «moderaten NPD» einzugehen, betonte der Außenminister.

Zwar seien in Afghanistan viele Menschen instrumentalisiert worden, die man wieder eingliedern solle. «Aber als militärische und politische Kraft sehe ich keine moderaten und nicht-moderaten Taliban.» Seine Regierung suche seit geraumer Zeit nach moderaten Taliban-Kräften. «Wenn westliche Politiker sowas haben, können sie uns die Adresse und Kontaktpersonen geben, damit wir uns mit ihnen auseinander setzen können.»

Spanta sieht nach eigenen Worten in einer neuen Afghanistan-Konferenz keinen Sinn. In Deutschland fanden bereits drei internationale Afghanistan-Konferenzen ohne die Taliban statt: 2001 und 2002 auf dem Petersberg bei Bonn und 2004 in Berlin.

Beck machte seinen Vorschlag zum Abschluss eines Afghanistan-Besuchs und stieß bereits in Deutschland auf heftige Kritik. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) distanzierte sich von den Äußerungen.

Den Tornado-Einsatz der Bundeswehr sieht Außenminister Spanta nach eigenem Bekunden positiv. «Das ist eine friedenssichernde Aufgabe.» Man müsse in der Lage sein, die Bewegungen von Terroristen herauszufinden, zu analysieren und später zu kontrollieren. «Wir sind Deutschland dankbar. Das ist eine gute Entscheidung für Deutschland und Afghanistan», sagte der Politiker. Die sechs Aufklärungsflugzeuge wurden am Donnerstag in Afghanistan erwartet. (AP)