26. Feb 2007 09:14
hat den gestrigen «Christiansen»-Talk zur Kinderbetreuung gesehen und ist gar nicht zufrieden.
Die Runde mit Sabine Christiansen - neben der Kinderbetreuung ging es auch um das Kinderkriegen - war nicht ohne Komik: Weder die Moderatorin noch der Hauptgast, Augsburgs Bischof Walter Mixa, haben selbst Kinder. Sie wussten daher von der Sache letztendlich so wenig wie die Kuh vom Sonntag. Hätte der Kirchfürst wenigstens ein Sprichwort aus Kurdistan drauf gehabt, das besagt: «In einem Haus voller Kinder hat der Teufel nichts zu sagen.»Wen man dagegen gern in diesem Kreis gehört und gesehen hätte, fehlte: Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), welche die ganze Debatte in einem «SZ»-Interview losgetreten hatte («Bis spätestens 2013 muss es zusätzlich 500.000 Betreuungsplätze geben - in Krippen und bei Tagesmüttern»). Wie überhaupt das Sendeformat daran krankt, dass dort immer weniger bekannte Prominenz mit zugleich wirklicher Sachkompetenz auftritt.
Fehlgriffe
Was mag zum Beispiel die Redaktion geritten haben, für die gestrige Sendung die Ex-Moderatorin Margarethe Schreinemakers aus der belgischen Mottenkiste auszukramen? Entgegen ihrer früheren großen Klappe kam sie wenig zu Wort und wenn, dann sprach sie von der «schrecklich aufgesetzten Diskussion in Deutschland, die ich nicht verstehe». Warum wurde sie dann überhaupt eingeladen?
Ein Fehlgriff auch der NRW-Familienminister Armin Laschet (CDU) - er durfte rechts von Christiansen sitzen -, der eingangs auch sein Nichtverständnis zu Protokoll gab: «Die Schärfe der Debatte kann ich nicht verstehen.» Dann aber der Meinung war: «Der Krippenplatz ist nicht der beste Platz.»
Und eine Soziologin namens Gabriele Kuby wagte die Behauptung: In Schweden, wo es «flächendeckend» Krippen und Kindertagesstätten gäbe, sei hinterher «jedes dritte Kind psychisch gestört»! Sie polterte: «Erwerbstätige Mütter kriegen die wenigsten Kinder.» Da dürfte ein Protest des schwedischen Botschafters in Berlin nicht ausbleiben.
Der Bischof, der in einem Zeitungsinterview den provozierenden Vorwurf erhoben hatte, durch das vermehrte Krippenangebot würden die Mütter zu reinen «Gebärmaschinen» reduziert, dann aber falsch verstanden sein wollte, gab zwischendurch in der Talkrunde Allgemeinplattheiten zum Besten. «Ich plädiere für das Wohl des Kindes», meinte er. Ja, wer nicht? Und dann treuherzig: «Ich bin nicht gegen die Kinderkrippen, sonst wäre ich von vorgestern.»
Der noch am selben Tag von der «Bild am Sonntag» als «Kampfpanzer Gottes» titulierte Bischof Mixa entpuppte sich in der Sendung als Schaukelpferdchen.
Frau Christiansen veränderte hektisch ihre Sitzposition von links nach rechts und von rechts nach links, als sei sie wiederholt von einer Tarantel gestochen.
Aufgeweckte Kinder
Auch ein Unternehmer kam zu Wort, der den bei ihm beschäftigten Frauen nach der Geburt großzügig eine «Auszeit bis zu drei Jahren» anbietet, «sogar bis zu sechs Jahren, wenn sie gleich das zweite Kind kriegen». Er und seine Frau seien für die eigenen zwei Söhne immer in «erster Linie» da gewesen. Aber mit 10 und 11 Jahren wurden sie ins Internat gesteckt!
Wirklich beeindruckend war nur eine 83-jährige Frau Hess aus der Reihe der Studiogäste. Sie berichtete, dass sie das Baby ihrer Enkelin, die mit dem Kind nicht fertig geworden wäre, zu sich aufnahm, «damit es ein Zuhause und Liebe bekommt». So habe sie es auch schon mit ihren eigenen Kindern gehandhabt - als Selbstständige mit einer Modewerkstatt: «Es ist schön, wenn man die Kinder daheim hat. Es ist schwer, aber es geht.»
Es geht auch anders, wie ich es persönlich an meinen beiden Enkeln, Charlie (3) und Ludoviko (1), erlebe. Wiewohl beide Eltern freiberuflich von zu Haus aus tätig sind, kamen beide Kinder schon vor Vollendung des ersten Jahres zu einer besonders tüchtigen Tagesmutter. Der Ältere ist heute bereits in einem (englischen) Kindergarten, wo er nebenbei die erste Fremdsprache lernt und sich zu einem besonders aufgewecktem, fröhlichen Kerlchen entwickelt.
«Die ersten Jahre eines Kindes sind ebenso wichtig wie die neun Monate davor», schrieb der schwedische Schriftsteller August Strindberg in seinem Werk «Der Sohn der Magd». Wie diese ersten Jahre zu gestalten sind, was für das Kind das Beste ist, müssen die Eltern, notfalls der alleinerziehende Teil, entscheiden. Daran führt keine Fernseh-Talkshow vorbei.