09. Feb 2007 17:55
Im Prozess um Ernst Zündel kam es zu einem neuen Eklat. Das Landgericht Mannheim bezichtigt nun auch Verteidiger Jürgen Rieger der «Auschwitz-Lüge».
In seinem Plädoyer habe Rieger selbst den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit ausdrücklich bestritten. Damit habe sich der rechtsextreme Anwalt «durch volksverhetzende Äußerungen in Form der Auschwitz-Lüge strafbar gemacht», sagte der Vorsitzende Richter. Rieger hatte in seinem mehrstündigen Schlussvortrag unter anderem die Zahl der getöteten Juden während des Holocaust in Zweifel gezogen. Ein weiterer Verteidiger hatte zuvor in seinem Plädoyer Passagen aus Adolf Hitlers «Mein Kampf» zitiert. Der Anwalt stellte in seinem Schlussvortrag keinen konkreten Strafantrag. Ein dritter Kollege hatte am vorherigen Verhandlungstag jedoch bereits Freispruch für den 67 Jahre alten Angeklagten gefordert.
Zündel soll aus dem kanadischen Exil den millionenfachen Mord an den Juden auf seiner Internet-Homepage und in anderen Publikationen abgestritten haben. Er lässt sich vor Gericht von fünf Verteidigern vertreten. Die Staatsanwaltschaft hat für Zündel fünf Jahre Haft unter anderem wegen Volksverhetzung verlangt. Am nächsten Verhandlungstag wird ein weiteres Plädoyer der Verteidigung erwartet. Das Urteil wird voraussichtlich am 15. Februar gesprochen.
Ein erstes Verfahren gegen Zündel war Ende 2005 geplatzt, weil seine Verteidigerin Sylvia Stolz unter anderem die Zulassung des rechtsextremistischen Anwalts Horst Mahler als ihren Assistenten durchsetzen wollte. Die Juristin wurde daraufhin von ihrem Mandat entbunden und aus dem Verfahren ausgeschlossen. (nz)