netzeitung.deThierse spricht Türkei Rechtsstaatlichkeit ab

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Wolfgang Thierse (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Wolfgang Thierse
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Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk hat nach seiner Lesereise nach Deutschland auch einen Besuch in Belgien abgesagt. Bundestagsvizepräsident Thierse machte dafür die Türkei verantwortlich.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse hat nach dem abgesagten Deutschland-Besuch des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk die Türkei heftig kritisiert. «Die Absage zeigt, dass die Türkei offensichtlich faktisch kein Rechtsstaat ist, wie wir ihn uns wünschen und fordern», sagte Thierse der «Berliner Zeitung». «Der türkische Nationalismus hat sogar die Kraft, dass Intellektuelle Angst davor haben, das Land zu verlassen.»

Der in seiner Heimat bedrohte türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk sagte inzwischen auch eine Reise nach Belgien kurzfristig ab. Dort sollte ihm an diesem Donnerstag die Ehrendoktorwürde der Katholischen Universität Brüssel (KUB) verliehen werden, wie türkische Medien nach einer Mitteilung der Universität berichteten. Pamuk habe ein späteres Kommen zugesagt.

Schon vorher hatte der 54-jährige Schriftsteller eine Reise nach Deutschland nicht angetreten. In Berlin sollte Pamuk am Freitag die Ehrendoktorwürde der Freien Universität erhalten und anschließend eine Lesereise durch mehrere Städte unternehmen.

«Diskussionen zulassen»
Als Konsequenz forderte Bundestagsvitepräsident Thierse die Türkei auf den Paragrafen abzuschaffen, der die Verleumdung des Türkentums unter Strafe stellt. Diese politischen Debatten seien zwar für die Türkei schmerzlich. «Gerade ein Land, das nach Europa will, muss diese Diskussionen aber zulassen», sagte der SPD-Politiker.

Nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Schriftsteller Hrant Dink hatte es auch massive Drohungen gegen Pamuk gegeben, der sich ebenso wie der Ermordete kritisch mit dem türkischen Nationalismus auseinander setzt und die Massaker an den Armeniern öffentlich als Völkermord kritisiert hat. Bei seiner Vorführung vor Gericht hatte ein mutmaßlicher Drahtzieher des Mordes an Dink gerufen, Pamuk solle «gut auf sich aufpassen». (nz)