19.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Polizeieinsatz in Ichenheim nach Amok-Drohung
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Baden-Württemberg will als Konsequenz aus der anonymen Drohung mit einem Schul-Amoklauf die Zahl der Schulpsychologen verdoppeln. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft übte Kritik.
Zwei Wochen nach der anonymen Drohung mit einem Amoklauf an einer Schule zieht die baden-württembergische Landesregierung Konsequenzen. Die Zahl der Schulpsychologen soll von gegenwärtig 54 auf 104 nahezu verdoppelt werden, kündigten Ministerpräsident Günther Oettinger und Kultusminister Helmut Rau (beide CDU) am Dienstag in Stuttgart an.
Für den 6. Dezember hatte ein Unbekannter im Internet ein Blutbad an einer Schule angekündigt. Daraufhin hatte das Kultusministerium die Schulen gewarnt und die Öffentlichkeit informiert. Die Polizei reagierte mit einem massiven landesweiten Einsatz und sichtbarer Präsenz in und vor den Schulen. Zu einem Anschlag kam es nicht.
Keine Hinweise durch PC-AuswertungBei Offenburg nahm sich am selben Tag ein 18-jähriger Schüler das Leben, der aber den Ermittlungen zufolge die Drohung nicht verfasst hatte. Von dem Täter fehle weiter jede Spur, sagte Innenminister Heribert Rech (CDU). Die Auswertung der Computer zweier Schüler in Rheinland-Pfalz, die auf einen gewaltbereiten Teilnehmer an einem Killerspiel im Internet hingewiesen hatten, habe bisher keine Hinweise ergeben.
Oettinger sagte, zur Finanzierung der zusätzlichen Schulpsychologen würden die vorerst gesperrten 521 Lehrerstellen herangezogen. Trotzdem würden die Personalausgaben des Landes insgesamt nicht erhöht: «Wir werden unser Personalbudget einhalten.» Bei der Aufstellung des Entwurfs für den Haushalt 2007/08 hatte das Kultusministerium seinen Beitrag zur Senkung der Ausgaben dadurch erbracht, dass 521 Lehrerstellen vorerst nicht besetzt werden.
Kritik von GEWDie Einstellung von 50 weiteren Schulpsychologen ist aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu wenig. «Baden-Württemberg bleibt damit im Bundesländervergleich auf einem der letzten Plätze», kritisierte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem. Er ergänzte: «500 statt 50 neue Stellen wären ein echter Fortschritt.»
Die oppositionellen Grünen forderten von der Landesregierung, zur Förderung der Schulsozialarbeit zurückzukehren. Dies sei das richtige Mittel, um frühzeitig auf Problemlagen von Schülern einzugehen, meinte die Grünen-Landtagsabgeordnete Renate Rastätter.
Justizminister Ulrich Goll (FDP) sagte, die rasche Aburteilung von Trittbrettfahrern habe eine abschreckende Wirkung auf mögliche Nachahmer. Nach Angaben Rechs sind bisher 28 Trittbrettfahrer mit Amok-Ankündigungen öffentlich aufgetreten. 19 von ihnen seien ermittelt und bisher drei verurteilt worden. (nz)