netzeitung.deKinderschützer warnen vor System-«Kollaps»

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Anwohner gedenken des toten Kindes (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Anwohner gedenken des toten Kindes
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Kinder- und Jugendverbände haben den Kinderschutz in Deutschland nach der Tragödie in Sömmerda als mangelhaft kritisiert. Dort war ein Baby verdurstet, seine Schwester überlebte nur knapp.

Führende Kinder- und Jugendverbände haben am Samstag heftige Kritik an der Politik geübt. «Die deutsche Politik nimmt Kinderschutz nicht ernst genug», sagte Norbert Struck, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, der «Welt am Sonntag». Laut dem Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, steht das Kinder- und Jugendhilfesystem »vor dem Kollaps». Viele Jugendämter litten unter finanzieller Auszerrung, und es sei mehr Personal nötig.

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, forderte ebenfalls mehr Geld für die Jugendämter und einen Ausbau der Beratungsangebote. «Allen Neugeborenen muss ein Besuch abgestattet werden», sagte er. Außerdem müsse es eine verpflichtende Vorsorgeuntersuchung für Kinder bis zum Schulalter beim Arzt geben. «Entziehen sich Eltern dieser Pflicht, muss das Kindergeld gestrichen werden.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die Bürger dazu auf, sich einzumischen, wenn Kinder Hilfe brauchen. Die empfundene Barriere vor der Privatsphäre müsse in diesem Punkt überwunden werden, sagte sie im ZDF auf einer TV-Gala. An die Eltern appellierte Merkel, sich bei Problemen mit ihren Kindern rechtzeitig Hilfe zu suchen.

Suche nach Pflegefamilie
Aktueller Anlass der Kritik ist der Fall des Säuglings Leon aus dem thüringischen Sömmerda. Er war am Donnerstag verdurstet aufgefunden worden, weil seine Mutter ihre beiden Kinder allein gelassen hatte. Sie waren seit Sonntag ohne Betreuung. Leons Schwester Lena überlebte trotz Hunger und Durst.

Gegen die Mutter wird wegen Totschlags ermittelt. Für Leons zweijährige Schwester wird nun eine Pflegefamilie gesucht. «Sie ist weiter im Krankenhaus und erholt sich», sagte Oberstaatsanwältin Anette Schmitt am Samstag. Später komme sie in die Obhut des Jugendamts, bis eine Pflegefamilie gefunden sei.

Die 20 Jahre alte Mutter befindet sich in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz in Untersuchungshaft ist. Gegen den Vater des Kindes wird nach einer Befragung nicht ermittelt. Eine Rückkehr der Tochter zum Vater sei jedoch unwahrscheinlich. (nz)