Fischer erhebt schwere Vorwürfe gegen USA
Fischer stellte in seiner zweistündigen Vernehmung klar, dass er wie alle Mitglieder der damaligen Bundesregierung erst nach der Freilassung El Masris aus US-Haft Ende Mai 2004 von dem Fall erfahren habe. Dann sei es darum gegangen, die ausschließlich von El Masri und dessen Anwalt stammende Darstellung seiner Entführung in Mazedonien und die Befragung und Folter in einem US-Gefängnis in Afghanistan auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Dies habe jedoch in einer gespannten Atmosphäre in den deutsch-amerikanischen Beziehungen stattgefunden. Die Attentäter des 11. September 2001 seien aus Hamburg gekommen.
Überlagert worden sei die Debatte damals auch durch die Enthüllungen über den Skandal im US-Gefängnis Abu Ghraib in Bagdad. Dennoch sei es nicht möglich gewesen, bei den USA mit Einwänden gegen den Status von terrorverdächtigen Gefangenen durchzudringen, die weder als Untersuchungs-Häftlinge noch nach der Genfer Konvention behandelt würden.
Mit seiner US-Kollegin Condoleezza Rice habe er darüber nicht gesprochen. «Bis heute, das entnehme ich den Akten, ist es so, dass die Türen nicht offen sind», fügte Fischer hinzu. Der ehemalige Außenminister würdigte ausdrücklich die Arbeit Steinmeiers, der damals als Chef des Bundeskanzleramts mit der Koordinierung der Geheimdienste betraut war. Eine offizielle Bestätigung der Darstellung El Masris habe es nicht gegeben. Die Tatsache, dass die Darstellung im wesentlichen richtig war, habe sich erst durch einen Verdichtungsprozess ergeben.
Über das Gespräch Schilys mit US-Botschafter Daniel Coats am 29. Mai 2004 erfuhr Fischer nach eigenen Angaben erst viel später. An dem Tag hatte Coats Schily über die irrtümliche Festnahme El Masris durch US-Behörden und dessen bereits erfolgte Freilassung informiert.
Nächster Zeuge sollte Fischers Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) sein. Die Untersuchung wurde am Morgen mit der Anhörung des früheren Vizepräsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Klaus-Dieter Fritsche, eröffnet. Fritsche ist derzeit Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt. Neue Erkenntnisse darüber, ob die Bundesregierung schon vor der Unterredung Schily-Coats über den Entführungsfall El Masri informiert war, ergaben sich dabei nicht. (nz)

