SPD wirft Köhler nach Veto «falsche Meinung» vor
09.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht jetzt die Länder am Zug. Es werde ihre Aufgabe sein, den Informationsanspruch für die Verbraucher gesetzlich zu verankern, sagte Geschäftsführer Gerd Landsberg am Freitag. Im Verhältnis zu den Ländern gelte der Grundsatz «Wer bestellt, der bezahlt (Konnexitätsprinzip). Die Länder müssen dann den Kommunen die Mehrkosten erstatten.» Der Bund wäre gut beraten gewesen, dieses Konnexitätsprinzip im Grundgesetz zu verankern. «Dann wäre ihm diese Schlappe erspart geblieben.»
Kritik an Köhlers Entscheidung kam aus der SPD: «Niemand kann den Bundespräsidenten zwingen, sich einer falschen Meinung zu entledigen», sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der «Passauer Neuen Presse». Es sei «keine Übertragung von Aufgaben an die Kommunen, wenn der Bund Transparenz der öffentlichen Verwaltung als Prinzip vorschreibt.»
FDP-Chef Guido Westerwelle befand, das handwerkliche Unvermögen bei Schwarz-Rot sei noch größer als zuvor bei Rot-Grün. «Die übergroße Mehrheit verführt offenkundig zu häufig zur Arroganz der Macht und zur Missachtung der Verfassung», sagte er dem «Tagesspiegel am Sonntag». Wenn Rauchverbot und Verbraucherschutz an einem einzigen Tag gestoppt werden müssten, weil die Regierung die eigene Föderalismusreform nicht kenne, zeige das, «wie dringend nötig die Kontrollinstanz Bundespräsident ist». Beim Luftsicherheitsgesetz habe das Bundesverfassungsgericht den Bedenken des Bundespräsidenten und der Liberalen bereits Recht gegeben.
Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte, beim Verbraucherschutz bringe der dafür zuständige Minister Seehofer «einfach nichts zu Stande. Sein Verbraucherinformationsgesetz hätte den Verbrauchern ohnehin kaum neue Rechte gebracht. Jetzt wird es nicht einmal das geben.» (nz)

