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Lupe Zweifel an Verbot von Killerspielen

Bayerns Innenminister Beckstein will so genannte Killerspiele wie Kinderpornografie bekämpfen. Angesichts der erhobenen Verbotsforderung gibt es Kritik aus der Opposition. Die Spiele-Branche warnt vor Zensur.

Die Forderungen nach einem Verbot so genannter Killerspiele stoßen auf Widerstand: Die FDP-Politikerin und frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hält die Appelle aus der Union für einen «vorhersehbaren impulsartigen Ruf nach Sanktionen». Mit einem Ruf «nach dem starken Staat, der alles verbietet und damit eine Pseudosicherheit vorspielt», würde das eigentliche Problem nicht an der Wurzel gepackt. Auch für Linksfraktionsvize Bodo Ramelow geht eine «solche Ersatzdebatten» weit am tatsächlichen Problem vorbei: «Wer nur über Killerspiele redet, hat vom eigentlichen Drama nichts verstanden.» Gewalt müsse man generell die Grundlagen entziehen.

Ansetzen müsse man vielmehr in der Pädagogik und beim Schulsystem, forderte Ramelow. «Die Schule muss nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch soziale Kompetenz.» Auch Leutheusser-Schnarrenberger sieht hier einen «wirksamen Hebel gegen Gewalttaten». Die Rechtsexpertin sieht «Staat und Gesellschaft kläglich versagen, wenn es um Unterstützung, Betreuung und Förderung von jungen Menschen geht».

Das Land Niedersachsen bereitet eine Bundesrats- Initiative mit dem Ziel vor, ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen zu erreichen. Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) plädierte für eine konzertierte Aktion der Bundesländer gegen Jugendgewalt. Neben Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach plädierte auch der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, im Gespräch mit der Netzeitung für ein Verbot.

Leutheusser- Schnarrenberger kritisierte, der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) selbst müsse einräumen, dass ein Herstellungsverbot von so genannten Killerspielen schwer umzusetzen ist. Das scheitere an der Tatsache, dass im Internet brutale Spiele und Videos herunter geladen werden können. Nationale Kontrolle und nationale Verbote liefen in der Weite des Internets ins Leere.

Töten für Spielerfolg
Wenig Chancen für ein Verbot so genannter Killerspiele sieht auch die Computerspielbranche. Das im Grundgesetz festgeschriebene Zensurverbot gelte auch für Computerspiele, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware, Olaf Wolters, der Nachrichtenagentur dpa. «Der Jugendschutz dient dem Schutz der Jugend, nicht dem der Erwachsenen.» Daher stoße ein generelles Verbot an verfassungsrechtliche Grenzen. Ein Verbot reize zudem gerade dazu an, solche Spiele verstärkt unkontrolliert übers Internet oder als «graue Importe» nach Deutschland gelangten.

Wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten definiert, ist bei so genannten Killerspielen «das realitätsnah simulierte Töten von Menschen in der fiktiven Spielwelt wesentliches Element der Spiel-Handlung». Zudem hängt in einem solchen Spiel der Erfolg des Spielers vom Töten ab. Der Anteil der Games, die nur Erwachsene spielen dürfen, liegt laut Wolters in Deutschland zwischen drei und fünf Prozent.

Theorien wiederlegt
Neben Schünemann und Stoiber hält auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) ein Verbot für überfällig. Auch zum Strafmaß bei Verstößen hat er konkrete Vorstellungen: «Killerspiele sollten bei der Strafbewährung in der Größenordnung von Kinderpornografie eingeordnet werden, damit es spürbare Strafen gibt», so Beckstein. Der Kampf gegen Kinderpornografie habe gezeigt, dass bei einem Verbot die Verbreitung auch über das Internet deutlich zurückgedrängt werden könne, sagte der Minister.

Auch der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, plädierte für ein Verbot. Alle Theorien, wonach so genannte Killerspiele auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen ohne Wirkung bleibe, seien wissenschaftlich als auch durch die wiederholten Gewaltexzesse widerlegt.« Computerspiele, deren wesentlicher Gegenstand das Töten ist, sind gesellschaftlich zu ächten», forderte Uhl. Dies allein sieht er jedoch als nicht ausreichend: Neben der gesellschaftlichen Ächtung und dem gesetzlichen Verbot sei die Kontrolle der computerspielenden Kinder durch die Eltern unverzichtbar. Kinder und Jugendliche müssten lernen Konflikte friedlich zu lösen.

Viele der Computer-Games kann man auch über das Internet gegen weit entfernte Gegner spielen. Um im Cyberspace Ungesetzliches zu verhindern, will die Union zudem Internet-Anbieter zwingen, verdächtige Inhalte des Web zu melden. «Ich finde, es ist an der Zeit, die Internet-Anbieter zu verpflichten, bei bestimmten Stichworten die zuständigen Behörden zu informieren», sagte die Unions- Fraktionsvize im Bundestag, Katherina Reiche, dem Sender N24. Ein Verbot von Gewalt verherrlichenden Computerspielen werde wahrscheinlich nicht ausreichen.

Auch die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave, hält ein Verbot von Killerspielen für denkbar. «Die Beschäftigung mit so genannten Killerspielen hat möglicherweise eine Rolle gespielt», sagte die Kieler Bildungsministerin (SPD) am Dienstag. «Unabhängig davon, ob sich dies bewahrheitet: Die Kriterien, nach denen diese Spiele altersbezogen eingestuft werden, sollten überprüft und verschärft werden.» Auch ein Verbot müsse geprüft werden. Schulen könnten nicht zu Festungen werden. Zusätzlich zur Gewaltprävention müsse alles getan werden, um Schulversagen zu vermeiden.(nz)