Grüne kritisieren Abschiebung trotz Kirchenasyl
Die Grünen haben das staatliche Vorgehen zur Beendigung eines Kirchenasyls in Koblenz scharf kritisiert. «Das Recht anzuwenden, dagegen kann keiner was haben, ein solcher Einsatz ist jedoch nicht verhältnismäßig», sagte Grünen-Bundes- Vorstandsmitglied Omid Nouripour der Netzeitung.
Die Vize-Vorsitzende der CDU-Fraktion im Mainzer Landtag, Marlies Kohnle-Gros, nahm die Ausländerbehörde dagegen in Schutz: «Die öffentliche Verwaltung ist an die geltenden Gesetze gebunden», sagte die Integrationspolitikerin der Netzeitung. Mit dem zwischen Bund und Ländern ausgehandelten Asylkompromiss bestehe seit 15 Jahren in Deutschland große Einigkeit darüber, wer bleiben darf und wer nicht.
In Deutschland leben mehr als 180.000 Geduldete, 120.000 von ihnen schon länger als fünf Jahre.
Nouripour sprach sich generell für ein Abschiebeverbot von in Deutschland geborenen Kindern aus: «Kindern, die keine andere Heimat kennen, dürfen nicht abgeschoben werden». Dies zu vollziehen, hieße, «sie ins Bodenlose fallen zu lassen». Der Migrationspolitiker plädierte für eine «Schlussstrich-Regelung» für solche Kinder im Rahmen des künftigen Bleiberechts.
CDU-Politikerin Kohnle-Gros mahnte eine baldige Bleiberechtsregelung an: «Mit Duldungen allein kann man nicht leben». Die bisher bekannt gewordenen Eckpunkte der Pläne von Bundesminister Wolfgang Schäuble (CDU) bewertet sie durchaus positiv: «Da stecken ein paar ganz vernünftige Gedanken drin». Entscheidend sind für sie drei Kriterien: «Wer Kinder in Deutschland großgezogen hat, wer sich selbst ernähren kann und länger als sechs Jahre da ist, soll bleiben dürfen.»
Grünen-Bundesvorstand Nouripour verlangte eine Ende des Bleibrechts-Streits in der Großen Koalition: Es sei ein «unwürdiges Spiel, dass Bundesinnenministerium und Bundesarbeitsministerium den Ball hin und her spielen». Das habe die Verhandlungen «Monate gekostet».
Derzeit dürfen geduldete Flüchtlinge ein Jahr lang nicht arbeiten. Auch danach erhalten nur dann einen Job, wenn sich für die Stelle kein Deutscher oder EU-Bürger findet.

