04.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
EKD-Rats-Vize Kähler
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dass deutsche Soldaten mit Schädeln posieren, liegt für die Evangelische Kirche am «bedrohlichen Umgang» der Gesellschaft mit Todessymbolik. Die Empörung über die Skandal-Fotos ist für Bischof Kähler unverständlich.
In der Diskussion um die Totenschädel- Skandalfotos von deutschen Soldaten hat die Evangelische Kirche die Beteiligten in Schutz genommen. «Ich kann da manche Empörung nicht verstehen» sagte der stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Christoph Kähler, der Netzeitung. «In unserer Gesellschaft gibt es einen Umgang über Symbole des Todes, den ich für bedrohlich halte.»
Die Soldaten sieht er in dem Skandal nicht als die Hauptverantwortlichen: «Wo sollen die Soldaten denn Respekt vor Symbolen lernen, wenn es ihnen die Gesellschaft nicht zeigt», so Kähler. Solange ethische Grenzen nicht eindeutig seien, bleibe es für die Soldaten schwierig, diese einzuhalten. Dennoch bezeichnete der Bischof das Posieren mit Schädeln für Fotos als «unangemessenes Verhalten». Die Truppe müsse sich damit auseinandersetzen.
Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Bundeswehrsoldaten sich in Afghanistan mit Gebeinen und Schädeln aus Gräbern gegenseitig fotografiert hatten. Die Bilder sorgten für vehemente Kritik und eine heftige Debatte über die Bundeswehr.
Handlungsbedarf in der TruppeKähler lobte das Verhalten der Truppe im Ausland: Das Auftreten deutscher Soldaten etwa in Moscheen sei in Ordnung. Bundeswehrangehörige zögen bei solchen Begehungen beispielsweise ihre Schuhe aus. «Andere Armeen sind da nicht so sorgfältig in ihrem Verhalten».
Dennoch sieht er Handlungsbedarf für die deutsche Armee: «Die Bundeswehr muss in den betroffenen Truppenteilen stärker auf die innere psychologische und innere Führung sorgen», forderte Kähler. Militärseelsorger und Psychologen sollten in kürzeren Abständen als bisher und mit kleineren Gruppen von Militärangehörigen sprechen. Dennoch hält er den Einfluss der Fachkräfte wegen der Freiwilligkeit ihrer Angebote für Soldaten für begrenzt: «Militärseelsorger und Truppenpsychologen sind darauf angewiesen, dass die Leute zu ihnen kommen.»
Juristisch ohne FolgenUnterdessen erwägt die Bundeswehr nach den Fehltritten ihrer Angehörigen eine Geste der Wiedergutmachung: Die Armee prüfe ein Engagement zur Errichtung einer Grabstätte für die Leichenteile, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung der «Bild». Dem Stand der Ermittlungen nach stammen die Skelett-Teile von derselben Stelle: Die Soldaten bedienten sich in einer Lehmgrube nur wenige Kilometer vom deutschen Feldlager «Camp Warehouse» entfernt.
Für zwei der Bundeswehr-Soldaten, die der Beteiligung verdächtig sind, bleibt der Skandal vorerst ohne juristische Folgen, da anonyme Skeletteile nicht unter dem Schutz der Totenruhe stehen. Der Paragraf 168 «Störung der Totenruhe» des Strafgesetzbuches greife nicht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Anklagebehörde in Zweibrücken, Eberhard Bayer, am Freitag. (nz)