27.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Israel berichtigt Darstellung von Marine-Vorfall
Die israelische Luftwaffe hat ihre Version des Zwischenfalls mit einem Schiff der Deutschen Marine vor dem Libanon korrigiert. Verteidigungsminister Jung musste indes erhebliche Beschränkungen für den Einsatz einräumen.
Drei Tage nach einem Zwischenfall mit einem Schiff der Deutschen Marine vor der libanesischen Küste hat die israelische Luftwaffe ihre bisherige Darstellung korrigiert. Trotzdem gab es am Freitag weiter keine Einigkeit über den Hergang, nachdem deutsche Regierungsstellen Tiefflüge israelischer Kampflugzeuge über das Schiff und Warnschüsse in internationalen Gewässern kritisiert hatten. Ein Sprecher der israelischen Streitkräfte räumte in Tel Aviv ein, das deutsche Schiff habe sich nicht unmittelbar an der libanesisch-israelischen Seegrenze befunden, wie zunächst erklärt. «Es war in internationalen Gewässern. Es war nicht in israelischen Gewässern», sagte er.
Das deutsche Schiff sei vor der nördlichen Küste Israels offensichtlich auf Trainingsflüge israelischer Kampfflugzeuge gestoßen, verlautete am Freitag aus Kreisen der israelischen Luftwaffe. Die israelische Luftwaffe nutze ein etwa 45 Seemeilen (rund 83 Kilometer) von der Küste entferntes Seegebiet für Übungsflüge, die dort auch am Dienstag unterwegs gewesen seien.
Zwei getrennte FälleEin Zwischenfall mit einem zunächst nicht identifizierten Hubschrauber habe sich dagegen etwa eine Stunde früher abgespielt, verlautete aus den Kreisen der israelischen Luftwaffe. Dieser Fall sei getrennt zu sehen. Die Luftwaffe habe zwei F-16-Kampfflugzeuge auf den Weg geschickt, um diesen Hubschrauber am Dienstag um 09.05 Uhr Ortszeit einige Meilen von israelischem Hoheitsgebiet entfernt zu identifizieren. Dabei sei kein Schuss gefallen.
Nach deutschen Angaben war das Schiff in internationalen Gewässern überflogen worden. Die israelischen Kampfflugzeuge hätten Warnschüsse abgegeben und Täuschkörper zur Abwehr möglicher Raketenangriffe abgefeuert. Die israelische Armee hatte bisher bestritten, dass Schüsse auf das Boot oder Warnschüsse abgefeuert worden seien. Das deutsche Schiff dient der Aufklärung für den Einsatz der Unifil-Truppe im Libanon, gehört aber nicht unmittelbar zu dieser dort eingesetzten Friedenstruppe.
Wichtige Erkenntnisse gesammeltDie israelische Armee korrigierte am Freitag auch einen israelischen Medienbericht, wonach der Hubschrauber, der als mögliche Gefahr für die Sicherheit Israels ausgemacht worden sei, nicht zu identifizieren gewesen sei. Anders als berichtet habe der Helikopter ein elektronisches Erkennungssystem eingeschaltet gehabt, sagte der Militärsprecher. Die Besatzung sei auch auf einer internationalen Frequenz über Funk zu erreichen gewesen, allerdings erst beim Anflug der israelischen Kampfflugzeuge.
Ein Sprecher des Verteidigungsministerium in Berlin sagte am Freitag, das betroffene deutsche Schiff «Alster» habe in internationalen Gewässern für den Unifil-Einsatz wichtige Erkenntnisse gesammelt. «Es wird die zu unserem Schutz notwendigen Informationen liefern.» Es solle vor Ort bleiben. Nach den Worten des Sprechers ist die deutsche Regierung «zuversichtlich, dass es in Zukunft solche Fälle nicht mehr geben wird».
In Erklärungsnot gerät die Bundesregierung zunehmend auch wegen der bislang unpräzise dargestellten Einsatzbedingungen des deutschen UN-Marine-Kontingents vor der libanesischen Küste. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) musste am Freitag nach einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Verteidigungsausschusses in Berlin einräumen, das es entgegen der bisherigen Darstellungen der Bundesregierung zumindest innerhalb einer Sechs-Meilen-Zone erhebliche Beschränkungen gebe. (nz)