Bundeswehrsoldat spricht über Schädelfotos27. Okt 2006 07:38, ergänzt 09:07  |  Skandal-Fotos in der Bild-Zeitung | Foto: nz |
|
Die Leichenteile auf den Skandal-Fotos deutscher Soldaten stammen nach Aussagen eines Beteiligten weder von einem Friedhof noch von einer Kultstätte. Der Wehrbeauftragte Robbe geht davon aus, dass alle Bilder echt sind.
Thema: Bundeswehr-Skandal |
|
Erstmals hat sich ein Bundeswehrsoldat zu den Totenschändungen in Afghanistan geäußert. In einem Interview mit «Bild» gab der Mann Auskunft über die Herkunft der Schädel, die auf verschiedenen Fotos zu sehen sind. Die Gebeine stammen demnach aus einer Kiesgrube außerhalb der afghanischen Hauptstadt Kabul. «Dort haben die Afghanen den Lehm, den sie für ihre Ziegel benötigt haben, abgegraben. Dabei kamen diese ganzen Knochen raus. Es war kein Friedhof, keine Kultstätte», sagte der Soldat. Die Fotos seien Mitte 2003 entstanden.
Der anonym bleibende Mann beschrieb auch den Ablauf der Schändung, deren Fotos am Mittwoch in der «Bild»-Zeitung veröffentlicht worden waren: «Zuerst hat man ihn hochgehalten und ein Foto gemacht. Dann wurde er aufs Fahrzeug montiert bis zu dem Punkt, wo der eine sein Glied rausgeholt hat.» Es habe keinen Zwang zur Teilnahme gegeben, er habe sich aber unter Druck gefühlt: «Wenn man das nicht mitmacht, heißt es: Du Weichei, was stellst du dich so an.» Eine eindeutige Erklärung für die makaberen Vorfälle habe er nicht, die Situation in Afghanistan sei sehr angespannt gewesen. «Ich vermute, dass die Hemmschwelle deshalb auch heruntergesetzt war.»
 |  Reinhold Robbe | Foto: dpa |
|
Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe (SPD) forderte angesichts der Totenschändungen eine Überprüfung der Soldaten-Ausbildung. Fachlich seien die Soldaten optimal ausgebildet, sagte Robbe am Freitag im ZDF- «Morgenmagazin». Ein Schwerpunkt müsse aber auf die Vermittlung von interkultureller Kompetenz, von ethischen Werten und von «Verfassungsessentials» gelegt werden. Da müsse überprüft werden, ob die Art des Unterrichts noch den heutigen Anforderungen entspreche.Robbe geht davon aus, dass auch die neuen Bilder von geschändeten Leichenteilen in Afghanistan wahrscheinlich echt sind. Davon müsse man nach dem derzeitigen Ermittlungsstand ausgehen, sagte er in den ARD-«Tagesthemen». Die Vorfälle müssten jetzt aufgeklärt werden. Angesichts von insgesamt 200.000 bereits im Ausland eingesetzten Bundeswehr-Soldaten handele es sich immer noch um Einzelfälle. Der Sender RTL hatte zuvor neue Bilder gezeigt, auf denen Männer in Bundeswehr-Uniformen mit Totenköpfen posieren.
 |  Ulrike Merten | Foto: dpa |
|
Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Ulrike Merten (SPD), plädiert für eine Überprüfung der Ausbildung. Neben der fachlichen Ausbildung sei es besonders wichtig, «dass wir sie so gut es geht in die Lage setzen, mit extremen Stresssituationen umzugehen», sagte sie im Deutschlandfunk.
 |  Wolfgang Schneiderhan | Foto: dpa |
|
Die Bundeswehrführung geht weiterhin von Einzelfällen aus. Angesichts von insgesamt 10.000 Soldaten im Auslandseinsatz könne man bei jetzt neun Beteiligten noch immer von Einzelfällen sprechen, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Donnerstagabend in der ARD. Dagegen sagte der Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele, er wisse von «mindestens einem halben Dutzend Leuten, dass hunderte solche Bilder existieren sollen». Die ARD und die «Leipziger Volkszeitung» berichteten, dass es in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul häufiger zu Foto-Aktionen auch mit Soldaten von anderen Nationen der Isaf-Truppe mit Totenschädeln gekommen sei.Bei den Soldaten auf den RTL-Bildern soll es sich um drei Panzergrenadiere handeln. Auf den mit einer Digitalkamera aufgenommen Fotos ist zu sehen, wie ein Soldat einen Schädel auf dem Bizeps seines linken Oberarms trägt. Auf einem anderen Bild posiert ein Soldat vor einem Jeep der ISAF, auf dessen Fronthaube ebenfalls ein Totenschädel liegt. (nz)
|