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Deutsche Soldaten sollen Toten geschändet haben

25. Okt 2006 07:14, ergänzt 09:27
Bundeswehr-Soldat in Kundus (Archivfoto Juni 2005)
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Deutsche Soldaten in Afghanistan sollen die Totenruhe eines Unbekannten auf skandalöse Weise gestört haben. Das Verteidigungsministerium geht den Vorwürfen nach. Die SPD forderte harte Konsequenzen.

Bundeswehrsoldaten haben in Afghanistan offensichtlich einen Toten geschändet. Der «Bild»-Zeitung wurden nach eigenen Angaben mehrere Fotos zugespielt, die den Vorfall dokumentieren. Die fünf veröffentlichten Aufnahmen zeigen deutsche Soldaten der Afghanistan- Schutztruppe (Isaf) in Tarnanzügen auf einer Patrouillenfahrt in der Umgebung der Hauptstadt Kabul. Dabei präsentieren sie mit zum Teil obszönen Gesten einen Totenschädel. Die Aufnahmen seien nach Aussage eines Bundeswehr-Angehörigen bereits im Frühjahr 2003 entstanden, berichtet das Blatt.

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Das auf der Titelseite abgedruckte Foto zeigt einen Bundeswehrsoldaten, der einen Totenschädel hochhält. Auf anderen Fotos ist ein Schädel auf einem Panzer des Typs «Wiesel» und an einem Geländewagen zu sehen. Ein Bild zeigt einen Soldaten mit entblößtem Penis und Totenschädel.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) ordnete eine umgehende Aufklärung der Vorfälle an. Der Minister sagte der Zeitung: «Es ist klar und unmissverständlich, dass ein derartiges Verhalten von deutschen Soldaten keinesfalls geduldet werden kann.» Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, würden die «erforderlichen dienstrechtlichen, disziplinarrechtlichen und gegebenenfalls auch strafrechtlichen Konsequenzen mit allem Nachdruck gezogen».

Schlecht für Ansehen der Bundeswehr

Wie Jungs Sprecher Thomas Raabe sagte, wurde das Ministerium am Dienstag von der Existenz der Fotos unterrichtet. Das Bildmaterial habe man aber bislang noch nicht erhalten.

Der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold sprach im ZDF-«Morgenmagazin» von «Versäumnissen einzelner Soldaten». Er plädiere dafür, disziplinarrechtlich gegen die Beschuldigten vorzugehen. Allerdings sei schlechter Geschmack nicht strafbar, betonte der SPD-Politiker. Gleichwohl sei das Verhalten der Soldaten «schlecht für das Ansehen der Bundeswehr».

«Abstoßend und Ekel erregend»

«Ich finde sie abstoßend und Ekel erregend», sagte der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, im ZDF-«Morgenmagazin». Diese Vorfälle müssten ganz schnell aufgeklärt werden. «Solche Leute können wir in unserer Armee nicht gebrauchen», sagte der Oberst. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, sagte, es könne nur eine Reaktion geben: «sofortige und schonungslose Aufklärung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln».

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), forderte ebenfalls eine schnelle und gründliche Aufklärung der Vorwürfe. Er sagte im Inforadio des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB), dies sei auch im Interesse der Bundeswehr selbst, die in Afghanistan einen guten Ruf habe. «Wir müssen wissen, ob es sich dabei um Einzelfälle handelt, wovon zunächst einmal, denke ich, auszugehen ist, aber das muss aufgeklärt werden, damit der Ruf der Bundeswehr keinen Schaden leidet.»

Der Schädel könnte laut «Bild» aus einem möglichen Massengrab in der Nähe von Kabul stammen. Unklar sei, ob es sich bei dem Totenschädel um die sterblichen Überreste eines Afghanen oder möglicherweise eines russischen Soldaten handele, der während der sowjetischen Besatzungszeit (1979-1989) gefallen sein könnte. (nz)

 
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