16.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Integrationsbeauftragte Böhmer
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Länder sollten sich nach Ansicht der Bundes- Integrationsbeauftragten Böhmer «baldmöglichst» auf die Einführung von Islam-Unterricht verständigen. Auch bei der Ausbildung von Imamen macht Böhmer Tempo.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), hat sich für die Einführung von bekenntnisorientiertem Islamunterricht unter staatlicher Aufsicht ausgesprochen. «Wir brauchen einen von den Muslimen akzeptierten Islam-Unterricht, damit das Thema aus den Hinterzimmern herauskommt», sagte Böhmer der Netzeitung. Kinder bräuchten im frühen Alter eine Orientierung in Werte- und Religionsfragen. «Das gilt für Kinder und Jugendliche, die nach dem christlichen Glauben erzogen werden genauso wie für Kinder und Jugendliche, die nach dem Islam leben.»
Wie Böhmer betonte, müssen für bekenntnisorientierten Islam-Unterricht, der an deutschen Schulen stattfindet, die gleichen Bedingungen gelten wie für den christlichen Religionsunterricht. «Das heißt mit Lehrern, die in Deutschland ausgebildet wurden, unter staatlicher Aufsicht und selbstverständlich in deutscher Sprache», erläuterte die CDU-Politikerin. Sie sei «sehr froh darüber, dass in einigen Schulen schon Islam-Unterricht stattfindet», betonte Böhmer mit Blick auf Pilotprojekte in mehreren Bundesländern. Dies solle Schule machen, dürfe jedoch nicht in Alleingänge münden: «Wir müssen auch darauf achten, dass die Pilotprojekte von den muslimischen Verbänden angenommen werden.»
Böhmer sieht vor allem die Bundesländer in der Pflicht. So erwarte sie, dass sich die Kultusminister- Konferenz «baldmöglichst» darauf verständigt, dass es bundesweit Islam-Unterricht gebe. «Die Schulen sollten den Unterricht gerade dort anbieten, wo sehr viele Muslime leben», sagte die Integrationsbeauftragte. So hätten die Kinder die Chance, ab der Grundschule diesen Unterricht zu besuchen. Die auf Initiative von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) initiierte Islam-Konferenz kann dazu nach Böhmers Ansicht «die grundsätzlichen Fragen» erörtern. Umsetzen müssten es dann die Länder.
Auf dem StundenplanDa für Schule und Bildung die Länder verantwortlich sind, haben sich bisher unterschiedliche Regelungen zum Islamunterricht durchgesetzt. Nordrhein-Westfalen führte 1986 religionskundlichen Islamunterricht an Grundschulen ein und erweiterte dies seither ständig. Seit 1999 ist «Islamkunde in deutscher Sprache» ein eigenständiges Unterrichtsfach. Das Land startet derzeit einen Modellversuch, in Zusammenarbeit mit Moscheegemeinden und Verbänden einen bekenntnisorientierten Unterricht unter staatlicher Aufsicht zu etablieren.
In Bayern gibt es das Fach islamische Unterweisung, das seit 2001 auch auf deutsch unterrichtet wird. Daneben gibt es einen Modellversuch mit religiös orientiertem Unterricht an einer Erlanger Grundschule. In Berlin steht Islamunterricht seit fünf Jahren auf dem Stundenplan, den Rahmenlehrplan erstellen allerdings die Religionsgemeinschaften. Daher entspricht die Qualität auch noch nicht den Vorstellungen der Berliner Bildungssenatsverwaltung.
Ausbildung an UniversitätenIn Bremen und in Rheinland-Pfalz laufen Modellprojekte an jeweils einer Schule. Der Islamkundeunterricht in Bremen wird gut angenommen, in Ludwigshafen beteiligten sich über 90 Prozent der islamischen Schüler am Religionsunterricht. Genaue Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, so die Sprecher.
Vor dem Hintergrund der Debatte um Einführung von Islam-Unterricht dringt die Bundesregierung auch darauf, dass Imame - Religionslehrer - künftig in Deutschland ausgebildet werden. «Eine durchaus sinnvolle Möglichkeit wäre es, die Ausbildung an den theologischen Fakultäten der deutschen Universitäten anzusiedeln», sagte Böhmer. Man solle dabei überlegen, inwiefern die islamwissenschaftlichen Fakultäten einbezogen werden müssten. «Dazu sollte sich auch die Konferenz der Hochschulrektoren Gedanken machen», verlangte die CDU-Politikerin. Derzeit entsendet hauptsächlich die Türkei Moscheeprediger nach Deutschland, die das Goethe-Inistitut vor Beginn ihres Dienstes in Landeskunde unterweist.
Mehr als 2000 ImameMit Blick auf die Anforderungen an Imame machte Böhmer deutlich, dass sie von den Predigern die Beherrschung der deutschen Sprache erwartet. «Wenn in Deutschland das Freitagsgebet gehalten wird, dann sollte auch in deutscher Sprache geschehen.» Die Imame müssten zudem mit dem Leben und der Kultur in Deutschland vertraut sein. «Für die Betreuung und Begleitung von Gläubigen ist es unabdingbar, dass der Imam sich in Deutschland nicht fremd fühlt.» Ihr sei es überdies wichtig, dass in den Moscheen Fragen der Gleichberechtigung von Mann und Frau behandelt werden. «Außerdem sollten Imame sich deutlich gegen Gewalt in der Familie einsetzen», verlangte Böhmer.
In Deutschland gibt es etwa 1250 hauptamtliche und rund 1000 ehrenamtliche Imame. Nach Schätzungen des Zentralrats der Muslime sind davon über 90 Prozent aus der Türkei, vereinzelt kommen sie auch aus Marokko, dem Iran und anderen Ländern. In den Gemeinden der Türkisch-Islamischen Union, dem Dachverband der türkischen Muslime in Deutschland, wirken ausnahmslos türkisch sprechende Imame. Ausgewählt werden sie in ihrem Heimatland von der «Gemeinsamen Kulturmission», in der Vertreter verschiedener Ministerien sitzen.