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Acht Prozent Deutsche Teil der «Unterschicht»

15. Okt 2006 10:18
SPD-Chef Kurt Beck
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Eine Untersuchung im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zählt 20 Prozent der Ostdeutschen zur so genannten «Unterschicht». SPD-Chef Beck will dem mit einem «Bildungsaufbruch» entgegenwirken.

Die vom SPD-Vorsitzenden Kurt Beck angestoßene Debatte über ein wachsendes «Unterschichten-Problem» in Deutschland zieht weitere Kreise. Nach einer Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung gehören dieser neuen gesellschaftlichen «Unterschicht» acht Prozent der Bevölkerung an. Dies berichtet die «Bild am Sonntag» unter Berufung auf die repräsentative Untersuchung des Instituts TNS Infratest. Zur neuen «Unterschicht» zählen demnach 20 Prozent der Ostdeutschen und vier Prozent der Westdeutschen. Die Wissenschaftler sprechen in der Studie «Gesellschaft im Reformprozess» vom «abgehängten Prekariat».

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Wie das Blatt weiter berichtet, bewertet die SPD-Spitze die Ergebnisse als «handfesten gesellschaftlichen Skandal». Die Studie fließe jetzt in die Debatte über das neue SPD-Grundsatzprogramm ein. Parteichef Beck wolle einen «Bildungsaufbruch» mit beitragsfreien Kindergärten und einem Ausbau von Ganztagsschulen organisieren, um Kindern der «Unterschicht» den Aufstieg zu ermöglichen.

Beck hatte vor kurzem eindringlich vor einem wachsenden «Unterschichten-Problem» gewarnt. In weiten Teilen der Bevölkerung lasse das Streben Besorgnis erregend nach, sich um sozialen Aufstieg zu bemühen. Es gebe zu viele Menschen, die sich keinerlei Hoffnung mehr machten, den Aufstieg zu schaffen. Sie hätten sich oft mit ihrer Situation arrangiert und fänden sich damit ab.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag»: «Die neue Armut in unserem Land ist nicht nur materielle Armut.» Es handele sich auch um Armut an Bildung, an Kultur, an Chancen auf ein gesundes Leben. Die SPD wolle mit einem vorsorgenden Sozialstaat mehr Lebenschancen schaffen - dies solle sich auch in der Debatte um das Grundsatzprogramm niederschlagen «und auch unsere Politik in der Bundesregierung prägen». Heil warnte zugleich davor, Menschen mit Begriffen wie «Unterschicht» zu stigmatisieren.

Laut Studie empfinden viele der Betroffenen ihr Leben als «gesellschaftlichen Abstieg». Ihr Bildungsgrad sei überwiegend einfach, «berufliche Mobilität» und Aufstiegswillen seien nur gering ausgeprägt. Zwei Drittel der «neuen Unterschicht» hätten ihren Job bereits verloren, die anderen empfänden den Arbeitsplatz «häufig als nicht sicher». Die Betroffenen litten unter «größter finanzieller Unsicherheit: sehr niedriges monatliches Haushaltseinkommen, kaum Wohneigentum oder finanzielle Rücklagen, Schulden, wenig familiärer Rückhalt». Vom Staat fühlen sie sich allein gelassen, so die Studie. Viele glaubten, «Abschottung gegenüber Ausländern» löse die Probleme. (nz)

 
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