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Lupe BKA scannt Passanten-Gesichter in Mainz

High-Tech im Dienste der Sicherheit: Das Bundeskriminalamt lässt am Mainzer Hauptbahnhof seit Dienstag die Gesichter von Passanten filmen, um sie mit einer Datenbank abzugleichen.

Überwachungskameras im Mainzer Hauptbahnhof filtern seit Dienstag die Gesichter von Probanden aus der Menschenmenge. Auf der Suche nach neuen leistungsstarken Fahndungssystemen erprobt das Bundeskriminalamt (BKA) in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, ob die biometrische Gesichtserkennung wie erwartet funktioniert.

Die Systeme sollen aus der Menschenmenge 200 Probanden heraus filtern, die sich verpflichtet haben, bis Ende Januar 2007 mindestens einmal täglich den fraglichen Bereich zu passieren. Computer vergleichen die Kamerabilder dabei mit einer speziell für das Projekt erstellten Datei, in der alle Versuchsteilnehmer gespeichert sind.

Terrorfahnder erhoffen sich von der Anlage für ihre Arbeit schnelle Erfolge. Vorgesehen ist, dass das System Alarm schlägt, sobald eine Person im Blickfeld der Kameras auftaucht, deren Gesichtsmerkmale in einer Datenbank erfasst sind. Und das im Vorübergehen. «Ziel ist es, in Echtzeit Gesichter in einer Menschenmenge zu erkennen», erläuterte BKA-Vizepräsident Jürgen Stock.

Kein Abgleich mit BKA
Vor Wochen suchte das BKA Freiwillige, die bereit waren, ihr Gesicht im Dienste der Sicherheit vermessen zu lassen. Das BKA ließ nun im Eingangsbereich des Mainzer Hauptbahnhofs Spezialkameras installieren. Passanten, die die Rolltreppe vom Gleisübergang zum Hauptausgang des Mainzer Bahnhofs betreten, blicken unweigerlich in die auf sie gerichteten Linsen, die 15 Meter entfernt in gut drei Metern Höhe angebracht sind.

Einen Abgleich der in Mainz erfassten Bilddaten mit dem Fahndungscomputer des Bundeskriminalamts werde es nicht geben, versicherte der BKA-Vizepräsident. Den Eingangsbereich des Hauptbahnhofs passieren täglich bis zu 20.000 Menschen. Der Versuch kostet 210.000 Euro und läuft noch bis Ende Januar 2007.


Bilder gelöscht
Die Systeme könnten nicht nur die Fahndung nach Terroristen erleichtern, sondern der Polizei auch helfen, vermisste Personen zu finden sowie vor großen Sportereignissen Hooligans zu identifizieren und anzusprechen, sagte Stock.

Die Bilddaten der an dem Projekt freiwillig teilnehmenden Personen will den Angaben nach Ende des Tests löschen, die der übrigen, unfreiwillig gefilmten Reisenden jeweils 48 Stunden, nachdem die Aufnahmen entstanden.

Polizei erfreut
Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, äußerte sich im ZDF zurückhaltend zu dem Modellversuch. «Bei biometrischen Fahndungssystemen könnte eine sehr vollständige Kontrolle einreißen.» Schaar forderte eine klare Beschränkung der neuen Technik auf Fahndungszwecke.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, beurteilte den Versuch dagegen positiv: «Um Menschen vor Terroranschlägen zu schützen, sollte modernste Technik zu Hilfe genommen werden.» (nz)